Tagun

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    • Hallo Fender,

      ich habe gerade den Schritt gewagt und bin seit 500 km stolzer Tagunbesitzer. Ich bin also noch kein alter Hase (höhö, schönes Wortspiel) und meine Begeisterung trübt vielleicht noch meine Kritikfähigkeit, aber als Erbsenzähler und HaarInSuppenSucher traue ich mir schon ein frühes Urteil zu.

      Also:
      Ich fahre ein serienmäßig ausgestattetes Tagun mit Schutzblechen, Gepackträger und Radlaufdynamo.

      Zuerst meine positiven Erfahrungen:
      Es fährt sich unbeschreiblich. Auf einer Tagestour von 180 km (!) musste ich nur anhalten um zu trinken oder zu essen. Der Lauf ist absolut gutmütig. Ich bin bereits mit einigen Kurzliegern gefahren und alle wurden mit steigender Geschwindigkeit immer unruhiger. Ich hatte Angst. Ganz anders beim Tagun. Eine Sänfte. Ich bin mit knapp 50 km/h einen Berg hinabgeschossen und das Rad ließ sich absolut sicher beherrschen. Bei einer Tour über sandige Feldwege oder steile, enge Wege mit Splitt musste ich nicht früher absteigen als die Mountainbiker oder Trekkingradler. Im Geländer fährt es freilich etwas wackeliger und Bordsteine sind ein fast unüberwindliches Hindernis. Das ist aber bei jedem Liege- oder Sesselrad so.
      Den Lenker finde ich etwas zu lang nach oben, aber das ist in diesem Falle sicher eine Sache des Geschmacks und es gibt ja Sägen. Die Bremsen sind die Besten (serienmäßig), die ich je an einem Fahrrad gefahren habe. Vielleicht lassen sich die hydraulischen noch etwas feiner dosieren, aber wenn man wirklich bremsen muss hilft nur noch ein ABS. (Gibs das? Hat da mal einer was gehört?) Da hat man zum dosieren ohnehin keine Zeit mehr.
      Der ganz große Knaller ist das Falten zum Transport. Den Gepäckträger gelöst und mit der Hinterradschwinge nach vorn geklappt - in 30 Sekunden ist das Tagun im Kofferraum kleiner als ein normales Fahrrad. Wenn es den Entwicklern von Hase nun noch gelänge mit weniger Montageaufwand Sitz und Lenker schmaler zu bekommen, ließe sich das Rad sogar als Handgepäck in der Bahn verstauen. Habe ich die wunderbaren Fahreigenschaften schon gelobt?

      Meckerliste und Verbesserungsvorschläge:
      - Vergiß den Radlaufdynamo. Er ist genauso schlecht wie alle anderen seiner Bauart und liefert die schlechteste aller Lösungen für Licht am Rad. Habe bereits ein Rad mit Nabendynamo und mein Tagun wird baldmöglichst nachgerüstet.
      - Die Scheibenbremsen (serienmäßig) machen ständig Schleifgeräusche. Sie bremsen das Rad nicht unnötig aber die Quitscherei nervt. (Hat an dieser Stelle jemand einen Tipp?)
      - Die Nabenschaltung macht einen Höllenlärm. Das Klicken des Freilaufes klingt im dritten Gang wie ein Rudel Grillen. Ich habe eine Lage Teppich um die Nabe gelegt, das dämpft das Geräusch etwas. Da sind meines Erachtens die Roloff-Naben deutlich leiser und deren Geräuschentwicklung wird von anderen auch gern bemängelt.
      - Die Befestigung des Gepäckträgers / Federelementes bzw. Kettenumlenkrolle. Ich vertraue dem Urteil der Entwickler bei Hase wenn sie sagen, dass diese dünnen Schrauben dieser Belastung auf Dauer gewachsen sind, jedoch bin ich sehr skeptisch was die Lebensdauer angeht wenn diese Schrauben beim Zusammenfalten für den Transport immer wieder gelöst werden müssen. (Hat da jemand Langzeiterfahrung?)
      - Den Sitz halte ich für verbesserungswürdig. Er ist zwar Superbequem aber etwas unpraktisch. Für den Transport würde ich ihn (und auch den Lenker?) gerne einfach ganz vom Bike trennen können. Außerdem wünsche ich mir eine Strebe für Befestigung von Packtasche oder Rucksack.
      - Abschließen. Ich habe bisher noch keine Möglichkeit gefunden das Rad sicher anzuketten. Es fehlt eine Stelle für ein Kettenschloss, die sich nicht durch ein paar Handgriffe demontieren lässt. Auch Felgenschlösser lassen sich nicht befestigen. Diese sind zwar nicht wirklich sicher, in den zwei Minuten vor dem Bäckerladen reichte diese Sicherung jedoch allemal. Außerdem schützen sie die Felgen und damit die teuren Naben vor Diebstahl. Ein Lenkradschloss (habe ich in den 70ern an einem Bonanzarad gesehen) wäre vielleicht auch hilfreich. (Wie sichern andere Tagunfahrer ihr Bike?)
      - Anbauteile: Ich vermisse die Möglichkeit, Tacho, Pulsuhr, Getränkehalter und solchen Schnickschnack zu montieren. Hat da jemand eine Idee?
      - Schmutzfänger: durch die kleinen Räder schleift der Kettenumwerfer fast am Boden. Ich habe ein zusätzliches Rohr um die Kette spendiert, würde mir aber noch einen Schutz um das Hinterrad wünschen. (Ähnlich wie beim Hollandrad) Hat da jemand schonmal was gebastelt?

      Wie man sieht, sind diese Meckereien symptomatisch für die meisten Fahrräder. Sie finden sich deshalb natürlich ebenfalls am Tagun und sind deshalb keine spezielle Abwertung für diesen Langlieger.

      Jetzt habe ich genug gemeckert und geh wieder raus, noch ´ne Runde drehen.

      Viele Grüße

      Nervenhasi
    • Hallo Nervenhasi,
      na schon an die Schleifgeräusche deiner Bremsen gewöhnt? Ich hatte an meinem Kettwiesel das gleiche Problem. Jetzt habe ich nach einem Unfall die Gelegenheit genutzt und gleich neue Bremsen montieren lassen. "Avid" (by SRAM) bb7. Da lassen sich beide Bremsbacken per Rendelmutter einstellen und man muss nicht mehr die ganze Bremszange verschieben. Das ist eine Ruhe jetzt und meine Muskelkraft wird nicht mehr augenblicklich in Reibungswärme verwandelt. :D
      Gruß,
      :DPfinztalwiesel:D
    • Hallöchen,
      man liest so wenig über das Tagun, aber seit einer Woche bin auch ich Besitzer eines Tagun und wollte ein paar erste Eindrücke los werden. Ich habe zwar wetterbedingt erst ca. 100km auf dem 2-Rad hinter mir und vergleiche immer mit meinem 3-Rad Kettwiesel mit dem ich im letzen Jahr etwa 4000km im östlichen Hamburg unterwegs war.
      Nach einer 200km Toxyprobefahrt und einem kleinen Ausritt auf einem Flux sagte mir das Tagun eindeutig mehr zu. Ausschlaggebend war hierbei die für mich besonders bequeme Sitzposition und die wohl auch vom Kettwiesel her bekannte Lenkgeometrie.
      Erste Eindrücke:
      -Das Rad läuft wunderbar ruhig und ist nicht zappelig in der Lenkung wie die getesteten Kurzlieger
      -Eine Aussage über das Starten und Stoppen möchte ich nach den wenigen km noch nicht machen, werde erst noch üben
      -Die Federung ist im Vergleich zum ungefederten Kettwiesel super, Wurzelaufbrüche und kleine Hubbel im Radweg verlieren ihren Schrecken
      -mit dem SON-Nabendynamo und dem neuen B+M 60Lux "Flakscheinwerfer" ist man auch im Dunkel sicher unterwegs
      -die Schaltung und die Bremsen laufen auch ruhig und ohne nervige Geräusche (bei meinem Rad)

      soviel fürs Erste, ach noch ein Tipp für Fahrten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt:
      --ein zusammengelegtes Handtuch oder ein Stück Isomatte zwischen Sitzauflage und den Spanngurten des Sitzes geklemmt, im waagerechten Teil und ca. 20cm die Rückenlehne hoch wirken fast wie eine Sitzheizung, ist schön warm und die Nieren werden es danken.

      Viele Grüße, frohes Fest

      Reinbeker