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Volvo malt die Radfahrer an!

14. April 2015

2 Kommentare

Volvo Life Paint

 

Die Autos der schwedischen Firma wurden vor allem in den 70er- und 80er-Jahren wegen ihrer hohen passiven Sicherheit bekannt, optisch waren sie damals vor allem durch voluminöse Stoßfänger auffällig. „Sicherheit aus Schwedenstahl“ war Jahrzehnte lang Volvos Slogan. Das Wohl der Insassen hatte sich das Unternehmen schon immer auf die Fahnen geschrieben.

Heute wollen die Schweden, die seit 15 Jahren zu einem chinesischen Konzern gehören, sogar Menschen außerhalb ihrer Autos schützen: die Radfahrer. Diese sind nach Meinung des Autoherstellers bei Dunkelheit extrem schlecht zu sehen. Und dafür hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Damit kein Volvo-Fahrer mehr Radfahrer übersieht und an- oder überfährt, sollen diese sich ansprühen. Mit einem Spray, das Volvo nicht ganz unbescheiden Life Paint nennt, also etwa: „Lebensfarbe“. Das Spray haftet auf Textilien und glatten Oberflächen – wie Helmen oder Fahrradrahmen –, ist aber unter Tageslicht-Bedingungen angeblich absolut unsichtbar und chemisch ohne irgendwelche Negativeffekte. Nachts aber reflektiert es das Licht der Autoscheinwerfer stark, sodass ein Radfahrer auch ohne Beleuchtung als strahlender Alien durch die Lichtkegel rollt.

Ähnlich wie Reflektorfolie soll das Spray aus winzig kleinen, glasartigen Kügelchen bestehen und etwa zehn Tage haften. Danach muss es neu aufgetragen werden. Volvos Argument dafür, dass sich Radler drei bis vier Mal im Monat von Kopf bis Fuß einsprühen: Die beste Art, einen Unfall zu überleben, ist, keinen Unfall zu haben.

Sprüh dich unfallfrei?

Schon heute häufen sich in Unfallberichten die Meldungen nach dem Tenor, „der Radfahrer hatte keinen Helm auf“. Sie suggerieren, keinen Helm zu tragen verursache Unfälle. Die eigentliche Unfallursache wird dabei außer Acht gelassen. Könnte es bald heißen, „weder Bekleidung noch Fahrrad waren mit Reflektormaterial besprüht, es musste ja etwas passieren“?

Wie dem auch sei, mit einem Spray zur besseren Sichtbarmachung tut Volvo nicht dem Radfahrer etwas Gutes, sondern – zumindest vermeintlich – dem Autofahrer. Der sollte eigentlich laut Gesetzt immer so sicher und konzentriert fahren, dass er ordnungsmäßig beleuchtete Fahrradfahrer erkennen und auf sie reagieren kann. Und genau das ist, gerade mit der heutigen modernen Ausstattung von Bikes und Trikes, eigentlich kein großes Problem. HASE BIKES-Räder mit Nabendynamos und hochwertigen Busch & Müller-Scheinwerfern etwa kommen von ihrer Leuchtkraft sogar Autoscheinwerfern nahe. Die Verantwortung des Autofahrers zur Aufmerksamkeit und vorausschauendem Fahren wird mit dem Spray zu einem Teil auf den Radfahrer übertragen: Wenn der sich nicht einsprüht, unterlässt er quasi Vorsorgemaßnahmen gegen mögliche Unfälle.

Richtig: Es gibt auch heute immer noch Biker, die ohne Licht fahren. Sollte Life Paint dafür eine Lösung sein? Unsinn. Wer glaubt schon, dass ausgerechnet Leute, die es nicht schaffen, ihr Rad mit dem Notwendigsten auszustatten, sich alle paar Wochen ein neues Spray kaufen und ihre Klamotten besprühen?

Oder wie seht ihr das?

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2 Kommentare

  • Antworten Wolfgang 14. April 2015 at 13:49

    Es liegt nicht an der Sichtbarkeit, dass immer mehr nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer angefahren werden. Eher ist es eine Mentalität, die Straßen zum reinen »Autofahrraum« macht und in der alles ohne Motor als lästiges Hindernis oder gar nicht wahrgenommen wird. Beruflich bin ich gezwungen ca. 30 mal im Monat das Taxi zu nutzen. Dabei erlebe ich Fahrer, die nicht mehr blinken, für die eine rote Ampel eher eine Empfehlung ist und die Verkehrsregeln generell sehr individuell auslegen. Was die meisten dieser Fahrer eint, ist die einhellige Meinung, dass Fahrradfahrer potentielle Selbstmörder sind, weil sie die Straße nutzen, statt den Gehweg. Weil sie nicht sichtbar sind und, weil sie viel zu schnell fahren.
    Wäre es da nicht sinnvoller, Verstöße im Straßenverkehr strenger zu fahnden.
    Abgesehen davon mutmaße ich, dass die Nanopartikel im Volvo-Spray möglicherweise nicht so gesund sind.

  • Antworten Eduard J. Belser 2. September 2015 at 7:30

    Die Schnapsidee mit den gesprayten RadlerInnen kann nur von einem Autokonzerns ausgeheckt worden sein!

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