Verkehr & Mobilität

Aggressionen im Verkehr? Verkehrspsychologie empfiehlt Tempolimits

15. Mai 2018

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Aggressionspotenzial im Straßenverkehr - Tempolimits können helfen

Die Tage werden wärmer und länger, die Aggressionen auf den Straßen mehr und intensiver. Die Verkehrspsychologie will herausgefunden haben, dass, vor allem auch mit steigender Zahl der Fahrradfahrer im Frühling, die Aggressionen auf den Straßen zunehmen. In einem Interview mit „Spiegel online“ Anfang März erklärt Bernhard Schlag, dass es für den jetzt wieder mehr anschwellenden Streit zwischen Radfahrer und Autofahrer zwei Hauptursachen gibt.  Zum einen ginge es um nicht ausreichende Tempolimits, zum anderen um den Platz auf der Straße. Das sei ein Effekt der steigenden Verkehrsdichte in den Städten zur Frühlingszeit, meint er. Die Gleichung ist ganz einfach:

„Je mehr Fahrzeuge auf den Straßen, desto mehr Aggressionen“. Das heißt auch: „Der Streit zwischen Radfahrern und Autofahrern ist ein fundamentaler Ressourcenkonflikt“, erklärt Schlag. Und der Autofahrer will den ihm vermeintlich zustehenden Platz nicht einfach abtreten, wenn im Frühjahr die Radfahrer wieder auf die Straßen strömen. Entsprechendes gilt für die Biker, sagt der Psychologe: „Radfahrer sind häufig der Meinung, dass ihnen mehr Raum zusteht, als vom Straßenbau zugeteilt. Und damit haben sie vermutlich sogar recht.“

Probleme mit der Aggressivität: Vor allem Pendler leiden darunter.

Radfahren ist längst nicht mehr nur ein Freizeit-, Sport- und Urlaubstrend; auch auf dem Rad zur Arbeit zu pendeln setzt sich immer mehr durch. Das bedeutet auch: Zur Rushhour wird’s auf den Straßen besonders eng. Da wird gehupt, gestikuliert, geschrien und sogar gedroht. Dabei müsste das alles doch ganz einfach sein, wenn sich jeder einfach mal in die Situation des anderen hineindenkt. Oder?

Psychologe Schlag wehrt ab: Entgegen landläufiger Meinung bringt es uns kaum weiter, wenn wir gelegentlich mal die Perspektive wechseln, also uns als Radfahrer ins Auto oder als Autofahrer aufs Velo setzen. Es fällt uns eben zu schwer, nachhaltig andere Sichtweisen anzunehmen. Wenn wir ehrlich sind: Jeder von uns hat das wohl auch schon mal selbst erlebt. Je nach Perspektive ist mal der Auto- und mal der Radfahrer schuld am Stress – abhängig davon, wie wir gerade unterwegs sind.

Mehr Tempolimits für weniger Aggressionspotenzial

Volle Straßen führen zu hohem Aggressionspotenzial. Foto: Fotolia/Kara

Aber das ist nicht der einzige aggressionsfördernde Faktor: Laut dem Verkehrspsychologen fördert Geschwindigkeit die Aggression. Tempolimits würden helfen. Eigentlich auch ganz verständlich: Je schneller ich fahre, desto gefährlichere Situationen könnten entstehen. Und entsprechend nervöser, aufgebrachter, eben aggressiver reagiere ich.

Geschwindigkeit runter statt Aggressionen auf der Straße

Zwei Lösungen stellt Schlag vor: die Trennung von Rad- und Autospuren durch das Anlegen separater Radwege. Ein ziemlich umstrittenes Konzept. Zunächst braucht man dafür viel Platz, der selten vorhanden ist. Vor allem aber festigt diese Lösung die Vorstellung bei den einzelnen Verkehrsteilnehmern, dass Radfahrer und Autofahrer nichts gemeinsam haben. Und das dürfte den Besitzanspruch dort, wo man wieder aufeinandertrifft, deutlich verstärken. Zum anderen sind gerade diese Kreuzungsstellen bei weitgehender Trennung von Rad- und Autowegen dann besonders gefährlich.

Der zweite Lösungsvorschlag zur Aggressions- und Gefahrenminderung: „Tempolimits würden helfen“, sagt Schlag. „Im Ausland versteht ohnehin niemand, dass in Deutschland immer noch zwei Drittel aller Strecken auf der Autobahn völlig unlimitiert sind.“

Auch in den Städten müsse die Geschwindigkeit gedrosselt werden, damit der City-Straßenverkehr ungefährlicher wird.

Tempolimits machen gelassener

Als Autofahrer merkt man es am eigenen Leib: In 30er-Zonen sind wir deutlich weniger hektisch, wenn wir hinter Radfahrern herfahren müssen als in 50er-Zonen: Wenn ich ohnehin nur 30 Stundenkilometer fahren darf, kann ich auch mit 25 hinter Bikern fahren. Aggressionen treten da gar nicht erst auf. Wenn ich aber schneller fahren darf, dann stört mich dieses „Hindernis“ Radfahrer, vor allem wenn ich gerade nicht überholen kann, ganz ungemein. Bernhard Schlag sitzt unter anderem im wissenschaftlichen Beirat des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur. Dort scheint man allerdings wenig auf ihn zu hören …

Foto (oben): Fotolia/Kara

Wie der Straßenverkehr für Rad- und Autofahrer außerdem sicherer werden kann, lesen Sie hier → Bike-Flash schafft den toten Winkel ab!

 

 

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