Velo Lifestyle, Verkehr & Mobilität

Straßen zu Fahrradwegen

15. Mai 2015

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HASE BIKES

(Quelle: huffingtonpost.ca)

Wenn das stimmt, was wir in diesen Wochen so lesen, hören und sehen können, dann ist die Welt bald ein Fahrradparadies – vor allem in den Regionen, die es bislang so gar nicht sind: die großen und mittleren Städte. Sie setzen auf das Fahrrad – oder kündigen zumindest an, das zu tun. Wie zum Beispiel Paris: Hier will die Bürgermeisterin Anne Hidalgo die Innenstadt quasi autofrei sehen. 100 Millionen Euro sollen für den Fahrradverkehr bis 2020 zur Verfügung gestellt werden, der Radfahreranteil soll von heute fünf auf dann 15 Prozent wachsen, wie das Online-Magazin „Zukunft Mobilität“ gerade schrieb. „Paris träumt davon, eine Fahrradstadt wie Berlin zu werden“, konnte man früher schon lesen. Was Berliner Biker wohl von dieser Einstufung ihrer Stadt halten?

Welche Umsetzungen bereits in Angriff genommen wurden oder gerade werden, ist allerdings im Moment unklar.

Fortschritt made in England

Oder die andere große Weltstadt Europas: London. Dort gab es seit Amtsantritt von Boris „Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad ins Büro“ Johnson schon einige Weiterentwicklungen, was den innerstädtischen Fahrradverkehr anbelangt: regionale Fahrverbote und Pendlermaut für die Innenstadt, starker Ausbau von Leihradflotten im Stadtkern. Nicht zu vergessen den Bau von Rad-Highways, den Johnson tatsächlich Ende März eingeleitet hat. Zwei Bike-Autobahnen werden hier neu gebaut – unter anderem eine für die viel befahrene Strecke von Elephant and Castle zum Bahnhof King’s Cross. Vier bestehende Express-Radwege werden ausgebaut. Allerdings wird es die High-Highways vorerst nicht geben; sicher eine gute Entscheidung – so lässt sich mit weniger Aufwand wohl mehr erreichen. Auch wenn es dann nicht ganz so spektakulär wird.

Radweg statt Broadway

In New York wurden in den vergangenen acht Jahren unter Michael Bloomberg und Bill de Blasio über 600 Kilometer Radwege gebaut – vielleicht nur ein kleiner Zuwachs für eine so große Stadt, doch New York war lange Zeit die Vorhölle für Biker und Triker. Fast nur Fahrradkuriere wagten sich dort hinein. Erste Anfänge, das zu ändern, gab es 2009. Da wurden Teile des Times Square, also des touristischen Mittelpunkts der City, für Autos gesperrt. Alle Betroffenen, von den Geschäftsleuten bis hin zu den Touristen – und natürlich den Radfahrern – waren begeistert von den positiven Auswirkungen.

Oft stellen die Behörden als Letzte die Weichen auf moderne Mobilität – so wird es zum Beispiel womöglich in Jakarta sein, der Hauptstadt von Indonesien: Hier fahren immer mehr Pendler in der City Fahrrad, obwohl es kaum Fahrradwege gibt und im täglichen Verkehr das Recht des Stärkeren oft mehr gilt als irgendwelche Regeln. Warum? Weil es per Auto und Kleinmotorrad in der Stadt einfach gar nicht mehr geht.

Radlhauptstädte. Wo?

Aber mal ehrlich: Auch in Deutschland haben wir zumindest zeitweise ähnliche Zustände – egal ob in Stuttgart, München, Köln, Berlin, Hamburg oder anderen größeren Städten. Und auch hier fahren immer mehr Menschen Fahrrad, trotz der meist noch schlechten Infrastruktur für Radler, nicht weil die Möglichkeiten dazu immer besser werden. Die „Radlhauptstadt“ München ist noch lange keine, wie der jährliche ADFC-Städtetest gezeigt hat. Und Berlin, das auf Platz 30 von 39 Städten im Ranking des Fahrradclubs liegt, geht eher in die entgegengesetzte Richtung, wie „Zeit Online“ vor Kurzem feststellte: Hier wird erst mal für fast 500 Millionen Euro eine Stadtautobahn weiter ausgebaut – Mobilitätsplanung à la 50er-Jahre. Da loben wir uns das viel gerühmte Kopenhagen, wo es so einfach ist – und selbstverständlich –, mit dem Rad unterwegs zu sein. Oder Amsterdam: Nach neuesten Zahlen sind 60 Prozent aller Einwohner täglich per Bike oder Trike unterwegs, wie „Spiegel Online“ erfahren haben will. Traumhaft für hiesige Stadtbiker: Stellenweise kommen zehn Radfahrer auf ein Auto! Die Holländer haben allerdings auch schon lange erkannt: Wer Wohlfühl-Städte haben will, muss etwas dafür tun. Und das machen sie weiterhin. Gerade wurden 50.000 neue Stellplätze geplant und außerdem ein Weg gefunden, den Fahrraddiebstahl einzudämmen: Weil die Stadt immer wieder eingesammelte herrenlose Fahrräder zum Schleuderpreis verkauft, lohnen sich Klauen und Verkaufen für Diebe nicht mehr.

Wir sagen es ja immer wieder: Fahrradfahren macht auch noch clever!

 

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1 Kommentar

  • Antworten Radwegbenutzungspflicht in Köln wird aufgehoben 13. November 2015 at 13:40

    […] der Fahrbahn nach, aber bei unseren nördlichen und westlichen Nachbarn können wir uns noch viel mehr gute Ideen in Sachen Radverkehr abgucken. Wichtig ist, es anzupacken. Wäre doch mal eine Möglichkeit, mit gutem Beispiel […]

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