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Schaltungen am Bike und Trike: Übersetzungshilfen

18. Februar 2015

2 Kommentare

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Da ist sie wieder, die Frage, die unsere Händler zum Thema Schaltung wohl am häufigsten gestellt bekommen: „Was für eine Schaltung brauche ich an meinem Trike/meinem Bike? Und wie viele Gänge muss die haben?“ Oft gehen Käufer davon aus, dass eine hohe Gangzahl automatisch ein Qualitätsargument ist. Dem ist nicht so. Aber dazu müssen wir ein bisschen weiter ausholen.

Klassisch: die Kettenschaltung

Dein Trike oder Bike hat entweder eine Naben- oder eine Kettenschaltung.

Kettenschaltung: Hier ändert sich die Übersetzung, indem das Schaltwerk am Hinterrad – oder der Umwerfer über dem Tretlager – die Kette auf ein anderes Zahnrad legt. Relativ einfache Mechanik; trotzdem wirken hier hohe Kräfte auf den gesamten Antrieb. Der sollte deshalb gut gepflegt werden: Die Kette muss regelmäßig gesäubert und geölt werden, die Lager der Schaltwerke müssen leicht beweglich bleiben, und Zahnkranz hinten und Kette sollten regelmäßig erneuert werden. Auch die Schaltzüge sollten leichtgängig sein, sonst macht Schalten keinen Spaß und die Gänge rasten nicht oder nicht sauber ein.

Die Vorzüge einer Kettenschaltung: Sie ist relativ günstig und erlaubt schnelles, exaktes Schalten – auch deshalb ist die Kettenschaltung für Sportler konkurrenzlos. Außerdem kann man damit ein breites Übersetzungsspektrum realisieren: 30 Schaltstufen (zehn Ritzel am Hinterrad und drei Kettenräder vorne) sind heute bei Trekkingbikes Stand der Technik. Allerdings sind das nicht 30 „echte“ Gänge, denn die Kette läuft bei bestimmten Konstellationen von vorderer und hinterer Schaltung extrem schräg und sollte deshalb vermieden werden. Sitzt die Kette vorne auf dem äußeren Kettenblatt, sollten die innersten zwei Ritzel nicht benutzt werden; Entsprechendes gilt bei der Kombi vorne ganz innen, hinten ganz außen. Für HASE BIKES-Trikes zählt dieses Argument allerdings nicht: Da die Kette so lang ist, wirkt sich der Schräglauf nicht aus, hier sind alle Ritzel hinten mit jedem Zahnkranz vorn kombinierbar.

Dazu kommt: Bei 30 Ritzel-Zahnkranz-Kombinationen kommen immer einige Überlagerungen zustande. Beispiel: Die Kombi 42 Zähne vorne und 14 Zähne hinten entspricht in der Übersetzung in etwa auch der Kombi 32 zu 11. Im Endeffekt kommt man dank dieser Dopplungen und der genannten, auf dem normalen Rad zu vermeidenden Zahnradkombinationen eher auf 16 bis 17 Gänge. Wichtiger als die Gangzahl ist die Abstufung. Vor allem Tourer und Sportler schätzen es, für jede Situation genau die optimale Übersetzung im Gepäck zu haben. Je näher die Übersetzungsstufen also beieinander liegen, desto besser – und das funktioniert bei Kettenschaltungen mit vielen Ritzeln. Nichtsdestotrotz: Mehr Ritzel bedeuten tendenziell höheren Verschleiß, weil Kette und Zahnräder relativ schmal sein müssen.

Alles in der Dose: die Nabenschaltung

Ganz anders bei der Schaltung in der Nabe: Steht elffach drauf, sind elf Gänge drin. Fast alle heutigen Nabenschaltungen sind nach dem Schema „Planetengetriebe“ aufgebaut. Wir machen jetzt keinen Ausflug in die Mechanik – für uns ist hier wichtig: Die Nabenschaltung ist wartungsärmer als die Kettenschaltung. Vor allem, weil fast der gesamte Antrieb in der Nabe gekapselt und damit von Schmutz und Wetterbedingungen unabhängig ist. Sie braucht deshalb auch wesentlich weniger Pflege. Die Kette wird nicht nach links oder rechts ausgelenkt und hält daher wie auch das Ritzel hinten deutlich länger. Oft läuft sie im geschlossenen Kettenkasten, was sie zusätzlich schont.

Das sind die hauptsächlichen Vorteile der „Sorglos-Schaltung“. Außerdem sind mit ihr auch relativ einfach Automatik-Schaltungen realisierbar – Shimanos Di2 ist ein gutes Beispiel. Aber auch für Handbediener zählt der Komfort einer Nabenschaltung: Es muss nur eine Schaltansteuerung – am einfachsten per Drehgriff – bedient werden, in die eine Richtung wird die Übersetzung länger, in die andere kürzer. Fertig. Bei Kettenschaltungen mit vorderem Umwerfer agiert man Multitasking-mäßig mit beiden Händen – und sollte dabei auch den Schräglauf der Kette im Kopf haben.

Heute gibt es Nabenschaltungen mit zwei, drei, fünf, sieben, acht, neun, elf und 14 Gängen. Man kann es sich schon vorstellen: 14 Gänge in einer unauffälligen Dose im Hinterrad – da geht es eng zu. Trotzdem ist diese High-End-Schaltung vom Hersteller Rohloff die robusteste auf dem Markt. Grundsätzlich gilt aber: je höher die Gangzahl, desto höher der Preis der Nabenschaltung. Für Vielfahrer lohnt es sich aber, in eine Nabenschaltung zu investieren – im Endeffekt kostet der Verschleiß der Kettenschaltung über die Jahre oft mehr.

Jetzt aber: die passende Schaltung

Aber zur Eingangsfrage zurück: Die Entscheidung über Gangzahl und Schaltungstyp sollte man nach dem Einsatzbereich fällen, wenn man sich die Schaltung schon aussuchen kann – wie bei vielen HASE BIKES-Modellen.

Wer grundsätzlich nur in seiner womöglich auch noch hügellosen Stadt unterwegs ist und höchstens mal eine Kurztour ohne viel Steigung fährt, der ist mit einer Nabenschaltung mit acht Gängen sicher besser bedient als mit einer 30-fach-Kettenschaltung – und er hat weniger Arbeit und weniger laufende Kosten damit. Wer lange Touren auf unterschiedlichem Terrain fährt, ist mit einer 14-Gang-Nabenschaltung oder einer Kettenschaltung mit breitem Übersetzungsspektrum gut dran. Und ganz individuell kann Sie garantiert unser Händler beraten.

Aber dieser Post war nur die halbe Wahrheit zum Thema Schalten.

Den zweiten Unterschied in der Praxis machen Lust und Faulheit in puncto Schalten – und dazu gibt’s einen eigenen Post in den nächsten Wochen.

Ach, und wie immer: Fragen, Einwände und Erfahrungsberichte sind durchaus erwünscht!

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2 Kommentare

  • Antworten Eduard J. Belser 21. Februar 2015 at 14:30

    Bei Alltags-, Komfort-, Reise-, Touren-, Transport- und Reha-Fahrrädern gehört die Zukunft den Naben- und Tretlagerschaltungen, da sich nur diese auch im Stand schalten lassen, was für ein leichtes, gelenkschonendes Anfahren unabdingbar ist. Kettenschaltungen haben eigentlich nur noch an Rennrädern und teilweise an MTBs eine Berechtigung. Bei einem Normalfahrrad mit Kettenschaltung kann man nach einem Halt in einem zu hohen Gang wenigstens noch versuchen im «Tretroller-Modus» soweit in Fahrt zu kommen, dass man in einen tieferen Gang schalten kann. Bei einem Liegetrike ist das noch weitaus schwieriger. Da liegt man dann hilflos wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen ist. Deshalb haben Kettenschaltungen an einem Liegetrike eigentlich gar nichts zu suchen und sind bei Licht besehen eine Fehlkonstruktion. Bei der heutigen Auswahl an bewährten Naben- und Tretlagerschaltungen, darf es Kettenschaltungen an Liegetrikes eigentlich, wenn überhaupt, nur noch an billigen Einstiegsmodellen geben. Ich fahre an meinem derzeitigen Liegetrike eine Kombination aus Schlumpf HighSpeedDrive Tretlagerschaltung und der stufenlosen NuVinci N360 Nabenschaltung. Damit bin ich seit mehr als drei Jahren bei jeder Kurbelumdrehung glücklich, kann mich steilste Steigungen hinauf kurbeln und bin in der Ebene brutal schnell. Mein Liegetrike ist auch ein wunderbares Einkaufsrad und eine leistungsfähige Zugmaschine für meine Anhänger. So muss es sein. Kettenschaltung? Nein danke! Die gehören an die billigen Baumarkt-Räder und die tun sich eh nur Masochisten und Schnäppchenjäger an.

  • Antworten Eduard J. Belser 23. August 2015 at 12:05

    Mit der neuen, zur EuroBikes 2015 9/11-Linear-Kettenschaltung hat HaseBikes wenigstens ein Problem der Kettenschaltung an Liegetrikes gelöst. Der fast auf den Boden herunterhängende und damit extrem exponierte Ketten-hin-und-her-würge-Pimmel ist durch eine innovativere Lösung ersetzt, die mehr Bodenfreiheit bring. Das könnte für alle Fahrräder der mit 20″-Räder interessant sein, nicht nur für Liegetrikes. Aber die eigentlichen Probleme, dass sich Kettenschaltungen prinzipbedingt nicht im Stand schalten lassen und wartungsauwändige Kettenfresser sind, sind damit selbstverständlich nicht gelöst. Kettenschaltungen sind deshalb meiner Meinung an einem Liegetrike nur in Kombination mit einer Schlumpf Tretlagerschaltung tolerierbar, mit der sich wenigstens im Stand in eine tiefere Übersetzungsgruppe schalten lässt. Aber im Reha-Bereich taugt auch diese Lösung nichts, da führt kein Weg an einer hochwertigen Nabenschaltung mit breiter Übersetzungsbandbreite oder an einer Pinion Tretlagerschaltung vorbei.

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