Verkehr & Mobilität

Radwegbenutzungspflicht in Köln wird aufgehoben – Revolution im Radverkehr

13. November 2015

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Die Radwegbenutzungspflicht ist in Köln ein brennendes Thema. Warum? Die Stadt hat, wie alle größeren deutschen Städte, ein Problem mit dem Autoverkehr. Die Lösung: mehr Menschen aufs Fahrrad bringen. Doch die Radwege der Domstadt geben das nicht her. Deswegen hat die Stadt Köln beschlossen, die Radwegbenutzungspflicht aufzuheben und die blauen Schilder zu entfernen.

Revolutionärer Schritt in Sachen Radverkehr

Nicht Münster, nicht Greifswald oder Freiburg – also Städte, die in Deutschland als Fahrradstädte bekannt sind – nein, die Auto-Großstadt Köln ist dabei, einen fast revolutionären Schritt in Sachen Radverkehr zu gehen. Sie hat beschlossen, die Radwegbenutzungspflicht grundsätzlich aufzuheben. In den sozialen Netzwerken wird gejubelt, regionale und überregionale Medien greifen das Thema groß auf. Konkret bedeutet das, dass die blauen Radweg-Schilder entfernt werden. Dann ist erlaubt, auch dort auf der Straße zu fahren, wo nebenher Radwege laufen. Eine Revolution mit Vorbildcharakter für andere Städte? Wenn das wirklich so umgesetzt wird, durchaus!

Mehr Radfahrer – mehr Platzbedarf

Radwegbenutzungspflicht und Umleitungen für Radwege

Radfahrer treffen in vielen Städten auf ein schlecht bis gefährlich angelegtes Radwegenetz.

In Köln treffen viele engagierte Radfahrer auf ein schlecht bis gefährlich angelegtes und noch schlechter instand gehaltenes Radwege-Netz. Die Radwege zu verbessern ist keine wirkliche Option. Unter Experten ist Konsens, dass Radfahrer deutlich sicherer auf der Straße unterwegs sind – entweder dort auf eigenen Fahrstreifen, also Radwegen, die Teil der Fahrbahn sind, oder auch ohne speziell gekennzeichneter Fahrspur. Denn dort werden Radler besser wahrgenommen als auf hinter Parkbuchten oder Hecken versteckten Radwegen.

In Ländern mit hohem Fahrradanteil am innerstädtischen Verkehr, wie in den Niederlanden oder Dänemark, gibt es relativ zur Zahl der Radfahrer erheblich weniger Unfälle mit Fahrradfahrern. Die Biker werden nicht als störender Sonderfall im Verkehr, sondern als normaler Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. Die Aufmerksamkeit der Autofahrer ist durch die vielen Radfahrer höher, auch gibt es die klassischen „Revierkämpfe“ von Autofahrer und Radfahrer wie hierzulande kaum.

Köln hat – wie alle größeren deutschen Städte – ein Autoverkehrsproblem, das nach Meinung vieler durch ein Umsteigen aufs Fahrrad behoben werden kann. Dazu benötigt es allerdings eine vernünftige Infrastruktur. Und das will die Stadt angehen.

Bei der Radwegbenutzungspflicht einfach die Gesetze umsetzen

Köln hat beschlossen, die Radwegbenutzungspflicht grundsätzlich aufzuheben.

Die Stadt Köln hat beschlossen, die Radwegbenutzungspflicht grundsätzlich aufzuheben.

Die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht ist streng genommen nichts besonders Ruhmreiches. Die blauen Schilder dürfen laut Gesetz ohnehin nur an Stellen stehen, an denen die Straße für Radfahrer als besonders gefährlich eingestuft wird. Dazu kommt, dass ein Großteil der Radwege bauartbedingt gar keine Existenzgrundlage haben – sprich: Sie haben nicht die gesetzlich erforderliche Breite. Stellenweise passt ein Trike wie das KETTWIESEL gerade noch zwischen die Begrenzungslinien, doch werden diese häufig nicht sinnvoll und eindeutig geführt und sind von ihrem Zustand her unsicher bis unzumutbar. Auch diese „Radwege“ dürfen gar nicht mit dem blauen Schild zur Radwegbenutzungspflicht gekennzeichnet sein. Leider halten sich Städte und Gemeinden bislang kaum an diese gesetzlichen Vorgaben.

Wenn nun großflächig die Benutzungspflicht aufgehoben wird, kommt man zunächst schlicht den gesetzlichen Anforderungen nach. Trotzdem ist die Umsetzung ein enormer Schritt in puncto mehr Sicherheit im Straßenverkehr und Entlastung unserer Innenstädte – vorausgesetzt, es wird dabei auch eine Radfahrer-Infrastruktur geschaffen. Abmontieren von Schildern allein wird kaum genügen, da sind sich alle einig. Auf mehrspurigen Fahrbahnen denkt man über Radstreifen auf der Fahrbahn nach, aber bei unseren nördlichen und westlichen Nachbarn können wir uns noch viel mehr gute Ideen in Sachen Radverkehr abgucken. Wichtig ist, es anzupacken. Wäre doch mal eine Möglichkeit, mit gutem Beispiel voranzugehen, Köln.

Endlich: Die Politik entdeckt das Fahrrad!

Da passt es ganz gut ins Bild, dass just am 4. November 2015 der erste Parlamentarische Abend der deutschen Fahrradwirtschaft stattfand. Die Veranstaltung war von verschiedenen Verbänden der Branche, darunter der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, ADFC, initiiert worden.

Geladene Gäste aus der Bike-Branche trafen in Berlin unter anderem auf die radpolitischen Sprecher aller Bundestagsfraktionen. Das Motto des Abends: „Die wirtschaftliche Bedeutung des Fahrrads in Deutschland.“ Das Fazit der Veranstaltung laut Branchendienst „velobiz online“: Das Fahrrad begeistert die Menschen und rückt zunehmend in den Fokus der Politik als idealer Mobilitätspartner für den Individualverkehr der Zukunft.
Individualverkehr der Zukunft. Wir wissen das ja schon lange ….

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