Verkehr & Mobilität

Radverkehr fördern: Unsere EU-Nachbarn zeigen, wie es geht

17. Juni 2016

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Radverkehr fördern - in Kopenhagen kein Problem

An einer roten Ampel mit dem Fahrrad rechts abbiegen: Das ist in Deutschland verboten. Wer erwischt wird, zahlt dafür mindestens 60,- Euro Bußgeld. Andere Länder haben sich inzwischen längst Lösungen ohne Strafe und mit deutlichem Zuwachs an Komfort für die Radler einfallen lassen. Da lohnt sich der Blick zu den Nachbarn, bei denen „Radverkehr fördern“ ganz oben auf der Agenda steht.

Rechts abbiegen erlaubt

Radverkehr fördern: Rechts abbiegen erlaubt

Rechts abbiegen dürfen, obwohl die Ampel rot ist. Bei uns ein seltenes Bild. Foto: Fotolia/Björn Wylezich

Beispiel Frankreich: Wer in Paris bei roter Ampel rechts abbiegt, macht sich nicht strafbar – er macht es richtig. An immer mehr Kreuzungen in der Innenstadt ist das für Fahrradfahrer erlaubt, mancherorts schon seit 2012. Ein separates Licht mit einem grünen Fahrrad oder bestimmte Verkehrszeichen erlauben es. Dasselbe gilt im amerikanischen Idaho – übrigens einem so gar nicht als fortschrittlich verschrienem Bundesstaat.

Auch in Basel wird bei roter Ampel munter rechts um die Ecke gerollt. Wo auch immer die Rechts-Radler Rotlicht testweise ignorieren dürfen– das Projekt setzt sich durch. Der Gedanke dahinter: Gibt es Radwege an der kreuzenden Straße, muss der abbiegende Radfahrer nur darauf achten, keinen vorfahrtberechtigten Radfahrer zu behindern. Gibt es dort keine Radwege, ist die Straße aber breit, wird ebenso der Autoverkehr nicht behindert.

Nationaler Radverkehrsplan soll bis 2020 den Radverkehr fördern

In Deutschland sieht es aktuell nicht so aus, als würde eine Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) angestrebt. Dabei hat das Verkehrsministerium schon vor vielen Jahren erkannt, dass es einen Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) benötigt, der bis 2020 vor allem die Radweg-Situation verbessern soll.

Radverkehr fördern durch Radwegebau

Der Radwegebau steht bei Gemeinden selten oben auf der Agenda. Foto: Fotolia/Kara

Das Hauptziel des NRVP lautet: Den Radverkehr attraktiver und sicherer zu machen sowie den sog. Umweltverbund aus ÖPNV, Fuß- und Radverkehr insgesamt zu stärken.

Leider sieht die Praxis in deutschen Großstädten häufig anders aus. Den Radverkehr fördern und die Infrastruktur entsprechend ausbauen, hat für viele Gemeinden immer noch nicht dieselbe Dringlichkeit, wie der Straßenbau. Manche Städte prüfen und beschließen sogar einen Ausbau des Radwegenetzes oder die Einrichtung von Fahrradstraßen, in denen nur Velos fahren dürfen oder zumindest Vorrang haben. Doch leider folgt nach diesen Beschlüssen oft lange Zeit nichts.

Klar gibt es kleine Veränderungen. Und große sollen kommen: Radschnellwege werden einst wie Radfahrer-Autobahnen Städte miteinander verbinden. Doch wie sehr spricht das von einem Bekenntnis zum Radverkehr, der, so auch das Bundesministerium, helfen kann, unsere Innenstädte lebenswert zu machen, wenn man sich entschließt, den Kauf von Autos gerade wieder einmal staatlich zu fördern? Dass es in diesem Fall um E-Autos geht, ist relativ sekundär – auch sie nehmen Platz ein, der für eine sinnvolle Nutzung und den Ausbau der Radler-Infrastruktur dann nicht mehr zur Verfügung steht. Auch sie stehen im Stau und blockieren die Straßen.

Zweirad-Industrie-Verband fordert Kaufprämie für E-Bikes

Der deutsche Zweirad-Industrie-Verband ZIV hat daher eine Kaufprämie für E-Bikes gefordert. Diese Forderung liegt eigentlich auf der Hand. Wer den Radverkehr fördern will, kann doch einfach mal damit anfangen. Doch so einfach ist das hierzulande nicht, denn wer sich ein E-Bike kauft, könnte in Kürze entdecken, dass er in der Stadt – oder womöglich überhaupt – kein eigenes Auto braucht. Keine schöne Perspektive für die Autoindustrie, von der in Deutschland angeblich alles abhängt. Leider in vieler Hinsicht auch unsere Gesundheit. Innerstädtisch ist bei Unfällen zwischen Radfahrer und Autofahrer die Hauptursache: Der Autofahrer „übersieht“ beim Rechtsabbiegen den Radler. Ob sich das mit E-Autos ändert?

Radverkehr fördern, zum Beispiel durch eine Fahrradstraße

Straße für Radfahrer in Freiburg. Foto: Fotolia/azureus70

Ein Blick zu den Nachbarn zeigt: Es geht auch anders

Nun gucken wir zur Beruhigung lieber nochmals zu den Nachbarn: in Kopenhagen, Dänemark, etwa wurden in der Innenstadt knapp 400 Ampeln durch „intelligente“ Artgenossen ersetzt. Sie sorgen dafür, dass der Öffentliche Nahverkehr und Radfahrer häufiger grüne Welle haben oder kürzer warten müssen.

In Groningen, Niederlande, wurde schon vor Jahren die Innenstadt in vier Kuchenstück-förmige Sektoren aufgeteilt. Autofahrer können nicht direkt von einem Sektor in den anderen wechseln: Sie müssen zurück auf den Innenstadt-Ring und den gewünschten Sektor von dort aus anfahren. Radfahrer und Fußgänger gewinnen dadurch. Sie bewegen sich in verkehrsberuhigten Zonen, ihre Wege sind wesentlich kürzer, ihre Ziele in der Innenstadt deutlich schneller zu erreichen.

Ein (echtes) Fahrradförderungsprogramm in den Niederlanden, vor einem Jahr verabschiedet, „Tour de Force“ soll nun den Anteil des Radverkehrs dort (derzeit im Schnitt 25 Prozent) noch deutlich steigern. Hier geht’s – neben optimierten Ampelschaltungen vor allem um die Schaffung von mehr Platz für Räder – sowohl den zum Abstellen als auch zum Fahren.

Hallo Herr Dobrindt, es wäre so einfach!

Foto (oben): Fotolia/Sergii Figurnyi

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