Tipps & Tricks

Passendes Werkzeug für unterwegs

14. Juni 2019

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Pannen passieren, selbst wenn das Rad gut gepflegt ist. Mit dem passenden Werkzeug kann man sich unterwegs selbst helfen oder auch helfen lassen.

Radreisen bieten unvergessliche Erlebnisse. Dazu zählt gelegentlich auch eine Panne, die sich trotz bester Pflege und Vorbereitung des Rades nicht sicher vermeiden lässt. Im Augenblick des Geschehens kostet das Nerven, hinterher hat man dafür Spannendes zu erzählen – und das umso lieber, wenn die Reparatur erfolgreich war.

Zwei linke Hände?

Der Erfolg einer Reparatur unterwegs hängt mehr von der Ausrüstung an Werkzeug und Ersatzteilen als vom eigenen handwerklichen Geschick ab. Denn Helfer in der Not gibt es überall. Hat man Werkzeug dabei, kann auch ein Passant helfen, der zu Fuß unterwegs ist. Manchmal hilft auch eine provisorische Reparatur mit Klebeband oder Kabelbinder, um nach Hause, zum nächsten Dorf oder zur nächsten Werkstatt zu gelangen. Einfache Reparaturen sind aber auch nicht schwer. Basics wie Reifen flicken, Fahrradschlauch tauschen, Schrauben festziehen, Sattel und Lenker verstellen kann man schnell lernen, von Freunden oder in Kursen, zum Beispiel beim örtlichen ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club).

Multitool oder Werkzeugtasche?

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Das Multitool oder Minitool gibt es in kleiner Ausführung mit dem notwendigsten 8-10 Werkzeugfunktionen und in großer Ausführung, die selbst Gabelschlüssel und Kettennietendrücker umfasst. Foto: Peter Barzel

Wie viel und welches Werkzeug man dabei haben sollte, hängt vom eigenen Fahrrad und vom Reiseziel ab. Für die Feierabendrunde in der Metropolregion braucht man weniger als auf der Radreise in einer Urlaubsregion mit dichter Infrastruktur oder auf einer Fernreise durch menschenleere Landschaft. Ein Check des eigenen Fahrrades auf Größe und Art der Schrauben hilft bei der Auswahl des passenden Werkzeuges. Ein Multitool, auch Minitool genannt, ist ein kompaktes Werkzeug, das in die Hosentasche passt, aber zahlreiche einzelne und größere Werkzeuge ersetzt. Wichtig: Gibt es Spezialteile am eigenen Fahrrad, sollte man das Spezialwerkzeug dafür gegebenenfalls auch dabei haben, soweit es leicht und transportabel ist.

Inbus oder Torx oder was?

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Unterwegs ist ein kleiner Zangenschlüssel, wie der nur 125 mm lange und 105 g leichte von Knipex, praktischer und kompakter als mehrere Gabelschlüssel. Foto: Peter Barzel

Schrauben mit Schlitz- oder Kreuzschlitz gibt es am Fahrrad fast nicht mehr. Auch der Sechskantkopf kommt wenig vor. Standard ist die Innensechskantschraube, kurz Inbus genannt, bestens bekannt von Ikea. Bei hydraulischen Felgenbremsen und bei Scheibenbremsen werden zunehmend die neueren Torx-Schrauben verwendet. Das sind quasi „Innensechskantschrauben“ mit einer sternförmig, rundlichen Vertiefung, die auch als Innensechsrund bezeichnet werden. Dafür braucht man spezielle Torx-Schlüssel. Muttern, soweit vorhanden, sind am Fahrrad immer sechskantig und mit einem Gabelschlüssel (auch als Maulschlüssel bekannt) anzuziehen. Unterwegs ist ein kleiner Zangenschlüssel, der für alle Muttern bis etwa Größe 20 mm passt, praktischer und kompakter als mehrere Gabelschlüssel.

Minimale Ausrüstung

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Minimal: kleines Minitool, Minipumpe, Flickzeug, Reifenheber, Kabelbinder und Ventiladapter. Foto: Peter Barzel

Die minimale Ausrüstung besteht aus Luftpumpe, Flickzeug und Reifenheber, Gewebeband (Tesa/ Gaffa), ein paar Kabelbindern und Ventiladapter. Die Luftpumpe muss auf die vorhandenen Ventile passen: Dunlop- (Blitzventil), Sclaverand- (französisches Ventil / Presta) oder Autoventil (Schrader). Und sie soll mindestens 6 bar Luftdruck erreichen können. Eine Minipumpe braucht wenig Platz, wenn auch mehr Zeit beim Pumpen. Ein Manometer (Druckmesser) ist hilfreich, aber entbehrlich. Ein Ventiladapter ermöglicht auch mit Dunlop- oder Sclaverand-Ventil das Aufpumpen an der Tankstelle. Reifenheber sollen aus Kunststoff sein, nicht aus Metall. Und beim Flickzeug darf die Gummilösung nicht eingetrocknet sein. Schlauch flicken funktioniert fast immer auch ohne das Rad auszubauen, indem man den Reifen nur im Bereich der undichten Stelle aus der Felge hebt.

Standard-Ausrüstung

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Zangenschlüssel und ein großes Multitool mit mehr Funktionen ergänzen die minimale Ausrüstung zur Standard-Ausrüstung. Foto: Peter Barzel

Bei der Standard-Ausrüstung wird die minimale Ausrüstung um Inbus- und Torx-Schlüssel, Gabelschlüssel und Kreuzschlitzschraubendreher erweitert. Inbusschlüssel in den Größen 4, 5, 6 und evtl. auch 8, 3 und 2,5. Torx Größe T25. Gabelschlüssel Größe 8/10 für kleine Schrauben und Größe 13/15 für dickere Schrauben und Achsmuttern. Größe 13 braucht man gelegentlich für die Rahmenschnellverstellung bei allen Hase-Dreirädern außer dem Trigo. Ist ein Heinzmann-Motor eingebaut, braucht man einen Gabelschlüssel Größe 15, um das Vorderrad mit Motor ausbauen zu können. Statt der Gabelschlüssel kann es auch ein Zangenschlüssel sein, der zudem noch die manchmal hilfreiche Funktion einer Zange bietet.

Große Ausrüstung

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Die große Ausstattung umfasst zusätzlich einen Kettennietendrücker, einen Speichenschlüssel, einen Ersatzschlauch, einen Ersatzreifen, ein paar Muttern und Schrauben der Größe M5 und einen Ersatz-Ventileinsatz. Foto: Peter Barzel

Für die große Ausrüstung wird die Standard-Ausrüstung noch einmal erweitert und zwar um Spezialwerkzeuge und Ersatzteile. Zu den Spezialwerkzeugen gehören ein Kettennietendrücker, um eine gerissene Kette zu reparieren und ein Speichenschlüssel zum Speichenspannen. Beides ist in größeren Multitools oft integriert. Speichen kann man auch dem bereits erwähnten Zangenschlüssel spannen. Ein Ersatzschlauch ist durchaus sinnvoll, ein Ersatzreifen in Form eines Faltreifens (demontiert klein zusammen gefaltet) auf Fernreisen auch. Bei den Hase-Dreirädern reicht einer, beim Pino müssten es wegen unterschiedlicher Radgrößen vorne und hinten schon zwei sein. Ein paar Muttern und Schrauben der Größe M5 als Ersatz sind nicht verkehrt. Und bei Sclaverand-Ventilen am Rad ist ein Ventileinsatz als Ersatzteil sinnvoll, denn dieser kann sich schon mal beim Aufpumpen lösen und unter Luftdruck wegfliegen.

Tipp: Lappen, Handschuhe oder Sand

Das Fahrrad reparieren geht selten ohne schmutzige Hände. Ein Lappen oder ein paar dünne Arbeitshandschuhe im Gepäck sind deshalb sinnvoll. Ansonsten helfen Wasser und Sand, unterwegs auch ohne Seife, Ölspuren zumindest soweit von den Händen zu entfernen, dass diese den Schmutz nicht weiter abgeben.

Titelbild: fotolia

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