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Kindertransport mit dem Fahrrad – welche Möglichkeiten gibt es?

31. Mai 2019

4 Kommentare

Kindertransport mit dem Pino

Kindersitze, Fahrradanhänger, Lastenräder, Trailerbikes, Tandemstangen, Hase Bikes. Für den Kindertransport mit dem Fahrrad gibt es eine große Auswahl an den unterschiedlichsten Produkten.

Der Alltag mit Kindern ist in jeder Familie anders. Die Bedürfnisse der Kinder ändern sich dazu ständig. Deshalb werden auch an die Transportmittel immer andere Anforderungen gestellt. Je nach Anzahl und Alter der Kids, der Strecke, dem Verkehrsaufkommen. Und natürlich spielen auch Häufigkeit der Nutzung, Budget und Unterstellmöglichkeiten eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für das richtige Produkt. Wir geben euch einen kurzen Überblick über die verschiedenen Transportarten für eure Kinder.

1. Kindersitze, die Klassiker für den Kindertransport mit dem Fahrrad

Der Kindersitz vorne auf dem Fahrrad ist in Deutschland seltener zu sehen.

Kindersitze waren die ersten Produkte, die rein zum Kindertransport auf dem Fahrrad entwickelt wurden. Sie werden entweder am Lenker oder über dem hinteren Gepäckträger befestigt. Auf der Straße sieht man meistens die zweite Sorte. Sie bieten mit ihren hohen Rückenlehnen mehr Sicherheit und Sitzkomfort für das Kind. Vielleicht ist es entspannter, ein hinten beladenes Fahrrad zu fahren.
Im Vergleich zu den anderen Transportlösungen sind Kindersitze eine preiswerte Variante. Wollt ihr zusätzlich zu eurem Nachwuchs auch Taschen oder Transportboxen auf eurem Rad mitnehmen, ist ein zusätzlicher Front- bzw. Heckgepäckträger eine gute Sache. 

Kindertransport mit dem Fahrrad: Kindersitz hinten
Die einfachste Art Kinder auf dem Fahrrad zu transportieren ist wohl der Kindersitz.

Ob Frontsitz oder Hintensitz, in beiden muss das Kind sicher angeschnallt sein. Es darf keine Möglichkeit haben, in die Speichen zu greifen. Was uns an Kindersitzen richtig gut gefällt ist, dass man sich während der Fahrt problemlos mit seinem Kind unterhalten kann. Der Sitz nimmt auf dem Rad relativ wenig Platz ein. Und er eignet sich für Kinder ab ca. 9 Monaten, die schon selbstständig aufrecht sitzen können. 

Gut auf kurzen Strecken

Kindersitze erscheinen uns nur für kurze Strecken so richtig gut geeignet. Das Kind sitzt dicht hinter dem Fahrer. Das schränkt nicht nur sein Blickfeld ein. Auch kann man nicht viel Gepäck mitnehmen. Denn ein voller Rucksack verringert zusätzlich Platz und Bewegungsmöglichkeit für das Kind. Bei längeren Fahrten kann es schnell langweilig werden. Und wenn das Fahrrad umkippen sollte, z.B. infolge eines Unfalls, ist die Fallhöhe erschreckend hoch. 

Rechtliches:

  • Kindersitze müssen fest an dem Fahrrad montiert sein
  • die Sicht und die Bewegungsfreiheit des Radfahrers dürfen durch den Kindersitz nicht eingeschränkt werden
  • Kindersitze müssen über eine Rückenlehne, ein Gurtsystem und ein Sicherheitssystem für die Füße verfügen
  • in Frontsitzen dürfen Kinder bis zu einem Höchstgewicht von 15 kg transportiert werden
  • in Hintersitzen dürfen Kinder bis zu einem Höchstgewicht von 25 kg transportiert werden
  • Kinder dürfen bis zum vollendeten 7. Lebensjahr auf dem Kindersitz transportiert werden
  • Der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt sein

2. Fahrradanhänger, die Komfortablen

Beim Kindertransport mit dem Fahrrad bestechen Fahrradanhänger durch ihren Komfort. Spätestens, wenn ihr nicht nur eins, sondern zwei Kinder auf dem Fahrrad mitnehmen wollt, kommt ein Anhänger für euch in Frage. Er hat genug Platz, um Trinkflasche, Spielzeug und allerlei Krimskrams mitzunehmen. So bleibt auch bei längeren Touren die gute Laune erhalten. Zudem schützt die Fahrgastzelle die Kinder vor Wind und Wetter. Und selbst die Kleinsten kann man in einer Babyschale mitnehmen.

Fahrradanhänger für Kinder sind eine sehr komfortable Möglichkeit, seine Kinder zu transportieren.

Sicherheit und Flexibilität

Hochwertige Anhänger haben einen stabilen Rahmen, der zusätzlichen Schutz bei Unfällen bietet. Viele Modelle können außerdem zum Buggy und/oder Jogger umgebaut werden, eine praktische Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten. Die meisten Anhänger lassen sich auch schnell an verschiedene Fahrräder ankoppeln. So könnt ihr euch beim Ziehen abwechseln.

Fahren mit dem Gespann

Nicht so toll ist, dass ihr euch während der Fahrt nur schwierig bis unmöglich mit eurem Nachwuchs unterhalten könnt. Mit einem Gespann zu fahren, unterscheidet sich deutlich vom Fahren mit einem Solorad. Zusätzliche 40 bis 50 Kilo über Strecke, Steigungen und Abfahrten hinter sich her zu ziehen, ist nicht zu verachten. Weder in Bezug auf Kraftaufwand, noch Geschicklichkeit. Nicht jedes Fahrrad ist dafür geeignet. Insbesondere bei den vollgefederten Fahrrädern gibt es Einschränkungen. Und S-Pedelecs, die schneller als 25 km/h fahren, sind als Zugrad gar nicht gestattet. Nehmt also auf jeden Fall euer eigenes Rad zum Test oder Kauf mit. Und sorgt dafür, dass es gute Bremsen hat. Die Anschaffungskosten für einen Kinderanhänger sind relativ hoch im Vergleich zum Kindersitz. Dafür haben aber zumindest die Markenprodukte einen hohen Wiederverkaufswert. 

Rechtliches

  • Kinder dürfen bis zum vollendeten 7. Lebensjahr mit dem Kinder-Fahrradanhänger transportiert werden
  • die Altersbegrenzung gilt nicht für Kinder mit Handicap
  • der Fahrer des Fahrrads muss mindestens 16 Jahre alt sein
  • Kinderanhänger müssen mit Sitzen und einem Gurtsystem, sowie Reflektoren vorne, hinten und seitlich ausgestattet sein
  • wenn der Anhänger das Rücklicht des Zugfahrrads verdeckt, muss er mit einem eigenen Rücklicht ausgestattet sein; das Rücklicht kann auch batteriebetrieben sein
  • die Kinder dürfen nicht in die Speichen des Anhängers greifen können
  • in einem Kinderanhänger dürfen maximal zwei Kinder transportiert werden

3. Trailerbikes und Tandemstangen: die Schlepper

Eine weitere Option für den Kindertransport mit dem Fahrrad sind Trailerbikes. Das sind „Anhängeräder“, die nicht alleine fahren können. Sie werden an die Sattelstütze des Zugfahrrads angekuppelt. Mit einer Tandemdeichsel hängt ihr das gesamte Kinderfahrrad an euer eigenes Rad. Beide Varianten sind relativ günstig in der Anschaffung. Sie kommen für euch in Frage, wenn eure Kinder bereits selbstständig Fahrrad fahren können, also ab ca. 4 Jahren. Wichtig bei beiden Transportarten ist, dass die Anhänge fest und stabil am Zugrad angekuppelt werden. Gerade ältere oder schwerere Kinder geraten sonst schnell in Schieflage. Dann kann die Verbindung brechen. Das Kind ist bei dieser Variante des Kindertransports mit dem Fahrrad nicht angeschnallt. Kleinkinder könnten auf längeren Strecken müde werden und vom Sattel kippen.

Vorteil: das Kind tritt aktiv mit

Einer der großen Vorteile von Trailerbikes und Tandemstangen ist, dass euer Kind dabei aktiv mittreten kann. Es sitzt nicht die ganze Fahrt über passiv herum und ihr könnt euch gut mit ihm unterhalten. Trailerbike und Tandemstange erscheinen uns als gute Zwischenlösungen für Kinder, die auf ihrem eigenen Fahrrad noch nicht sicher im Straßenverkehr sind. Oder als Unterstützung auf längeren Strecken. Wird euer Kind müde, zieht es einfach eine Weile. 

Rechtliches:

  • das Trailerbike muss mit einem eigenen Rücklicht ausgestattet sein, da es das Rücklicht des Zugfahrrades verdeckt 

4. Lastenräder: die Vieltransporter

Beim Kindertransport mit dem Lastenfahrrad oder Cargo-Bike sitzen eure Kids in der ersten Reihe, nämlich genau vor euch. Dadurch habt ihr sie immer im Blick. Ihr seht, wann sie schlafen oder mal eine Pause brauchen. Und zwischendurch könnt ihr euch prima mit ihnen unterhalten. 

Lastenräder werden immer beliebter.

Schwertransporter

Bei einem Lastenrad sitzen eure Kinder in einer Frontkiste oder einem ähnlichen Aufbau. Der ist meist an drei Seiten geschlossen und nach oben hin offen. Will man darin seine Kinder transportieren, müssen Sitze oder Sitzbänke und Gurte eingebaut sein. In vielen Modellen können auch Babyschalen montiert werden. So könnt ihr eure Kinder ebenso früh mitnehmen, wie in einem Anhänger. 
Abhängig von Größe und Anzahl der Kids hat man zusätzlich noch Platz für Einkäufe, Picknicksachen oder Zelt und Schlafsäcke. Cargo-Bikes haben, je nach Modell, eine Zuladung von 80 bis 200 kg. 

Viel Zubehör

Die meisten Lastenräder sind nicht ausschließlich zum Kindertransport gebaut. Dennoch können sie für die kleinen Passagiere mit Zubehör wie Regenverdecken, Rückenlehnen, Nackenstützen, wärmenden Wintersitzkissen oder Halterungen für Trinkflaschen gemütlicher gemacht werden. Und man kann sich zusätzliche Karten- und Smartphonehalter, Armaturenbretter und USB-Anschlüsse zum Aufladen von Handy und Tablet montieren. 

Lastenräder bieten meist viel Zubehör für den Kindertransport.

Alternative zu Anhängern

Uns erscheinen die Familienkutschen wie eine Alternative zu Anhängern. Jedenfalls, wenn ihr nicht ohne eure Kinder Fahrrad fahren wollt. Oder es euch nichts ausmacht, auch alleine mit einem nicht gerade schnittigen Fahrrad unterwegs zu sein. Die Räder haben meist ein relativ hohes Eigengewicht, hinzu kommen Fahrer und Fahrgäste. Ein elektrischer Antrieb kann hier sinnvoll sein. In der Anschaffung sind Lastenräder deutlich teurer als Fahrradanhänger. Sie haben aber einen ebenso guten Wiederverkaufswert.

Rechtliches:

  • für Lastenfahrräder gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie für „normale“ Fahrräder. Einzige Einschränkung: zulässig ist eine Breite von 1m bei einspurigen und 2m bei mehrspurigen Rädern, sowie eine Höhe von 2,50m und eine Länge von 4m 
  • es gibt keine Begrenzung der Anzahl der Kinder, die mit einem Lastenrad transportiert werden dürfen
  • der Fahrer des Fahrrads muss mindestens 16 Jahre alt sein
  • für jedes Kind muss ein geeigneter Sitz mit Gurtsystem vorhanden sein 
  • die Kinder müssen davor geschützt sein, in die Speichen des Fahrrads zu greifen 

5. Kindertransport mit dem Fahrrad: Trets und Pino

Unsere eigenen Modelle sind nicht in jeder Hinsicht besser, als die bisher aufgeführten Möglichkeiten. Aber für den Kindertransport mit dem Fahrrad sind unser Liegedreirad Trets und das Pino eine gute Mischung aus den Vorteilen der jeweiligen Optionen. 

Das Trets: Liegedreirad für die Kleinsten

Das Trets ist ein schnittiges, kleines Delta-Trike mit einem Rad vorne und zwei hinten und einem coolen Chopper-Lenker. Sein tiefer Schwerpunkt und die leicht gestürzte Ausrichtung der beiden Hinterräder machen es nicht nur wendig, sondern auch extrem kippsicher. Im Trets fährt das Kind aktiv mit und sitzt dabei sowohl ergonomisch als auch bequem. Wird der Nachwuchs müde, hängt man das Bike einfach an sein eigenes Rad und zieht es als Anhänger hinter sich her. Mittels Schiebestange kann man das ganze dann auch als Buggy nutzen. Und mit einer kleinen Seitentasche und einer geräumigeren Gepäcktasche ist das Trets startklar für längere Touren. Übrigens: das Trets kann in der Lieblingsfarbe lackiert werden, auch in Quietschfarben und mit Glitzer oder Perleffekt.

HASE BIKES Kindertransport Fahrrad
Das Trets lässt sich an ein normales Fahrrad koppeln.

Reha-Rad mit Hilfsmittelnummer

Trets
Das Trets hat eine Hilfsmittelnummer.

Da das Trets eine Hilfsmittelnummer hat, steht es im Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband). Das bedeutet, das Trets kann Kindern mit den unterschiedlichsten Handicaps von ihren Ärzten als Therapiegerät verschrieben werden. Stimmt die Krankenkasse zu, beteiligt sie sich an den Kosten für Anschaffung und Wartung.

Das Pino: ein Fahrrad wie ein Fuhrpark

Die Kinder können vorne mittreten, dürfen aber auch ausruhen.

Für den Kindertransport mit dem Fahrrad ist das Pino ist eine Besonderheit. Halb „normales Fahrrad“, halb Liegerad, ist es ein Tandem, ein Kindertransporter und auch ein Lastenrad. Je nachdem, was gerade benötigt wird. Wir nennen es deshalb auch unser MUV – das Multi Utility Vehicle. 
Ein Kind nimmt auf dem vorderen Liegesitz Platz, wo es freie Sicht nach vorne hat. Dort kann es mittreten, muss es aber nicht. Der Erwachsene sitzt hinten, hat den Überblick und die Kontrolle über Lenkung und Gangschaltung. Durch das spezielle Kindertretlager können Kids bereits ab einer Größe von einem Meter mitfahren. Der Frontsitz kann durch das zahlreiche ausgeklügelte Zubehör auf fast jede körperliche Anforderung angepasst werden. So fahren auch Kinder mit den unterschiedlichsten Handicaps sicher mit. 

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4 Comments

  • Antworten Jörn 4. Juli 2020 at 16:12

    Bitte (noch viel) detaillierter auf Kindertransport auf dem Pino eingehen – z.B. bei 2-3 jährigen Kindern (Befestigung/Sicherung mit 3-Punkt-Gurt oder Montage eines Kindersitzes, etc. ?).

    Dank und Gruß

    • Antworten HASE BIKES Team 6. Juli 2020 at 11:56

      Hallo Jörn,
      hast du eine konkrete Frage zu unseren Produkten auf die detaillierter eingegangen werden soll? Für die genaue Montage eines Kindersitzes solltest du dich bei dem jeweiligen Hersteller erkundigen. Solltest du eine Frage zu unseren Produkten haben, werden wir diese gerne beantworten.
      Viele Grüße
      dein HASE BIKES Team

  • Antworten Oliver Hattwig 7. Juli 2020 at 16:33

    Hallo,

    wie ich sehe sind die Kleinen hier im Sitz sogar richtig angeschnallt.
    Ich sehe aber immer wieder Familien mit Lastenrädern in denen die Kinder einfach so im „Ladebereich“ sitzen. Macht Ihr auch sowas wie Crashtests mit den Rädern?

    Viele Grüße
    Oliver

    • Antworten HASE BIKES Team 9. Juli 2020 at 13:23

      Hallo Oliver,
      Bei unserem Lastenrad wird kein Kind einfach so reingesetzt.
      Das PINO ist ein multifunktionales Stufentandem welches sowohl als Lastenrad, Tandem oder auch Kindertaxi genutzt werden kann.
      Hierbei sitzt das Kind auf dem vorderen Sitz, welcher ein Liegesitz ist, und kann dabei sogar je nach Größe selber mittreten. Gesichert wird durch einen 5-Punkt-Gurt.
      „Crashtests“ machen wir nicht mit unseren Rädern. Wie andere Hersteller dies handhaben, musst du bei dem jeweiligen Hersteller erfragen.
      Viele Grüße
      dein HASE BIKES Team

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