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So entsteht das HASE BIKES Design

3. November 2015

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Schon der Prototyp des KETTWIESEL KROSS mit dem damals nagelneuen STEPS-Motor von Shimano erhielt 2014 den Eurobike Award für sein gelungenes Design – später kamen weitere Designpreise dazu.
Branchen-Insider wissen: Das Serienmodell ist oft weit vom Prototypen entfernt. Nicht so beim neuen KETTWIESEL mit Motor. Das Liegerad rollt seit 2015 genauso gelungen durch die reale Welt, wie es damals auf der Eurobike-Messe die Fans zum Strahlen brachte. Harmonisch integriert es voluminöse Stollenreifen, Rahmenzüge mit großem Durchmesser und einen Motor. Und der ist genau dort, wo normalerweise nur ein Tretlager sitzt. Und das alles mit einem sportlichen, unaufdringlichen Schwung in den Formen. Wie kriegt man so etwas hin?

HASE BIKES Design von ganz oben

Unser Gestaltungs-Mastermind hat sein Reich in der obersten Etage: Der gebürtige Portugiese Paulo Mesquita sitzt in einem Atelier mit großen Arbeitstischen, mehreren Nähmaschinen, den obligatorischen Computern mit großen Monitoren und sogar einem kleinen Drei-D-Drucker.

HASE BIKES Design - Paulo Mesquita in seinem Büro unter dem Dach der Hase Bikes Manufaktur.

Paulo Mesquita in seinem Büro unter dem Dach der HASE BIKES Manufaktur.

Dieses Oberstübchen ist weder zwanghaft durchorganisiert noch herrscht das sprichwörtliche kreative Chaos. Es ist einfach der Raum, in dem viele Ideen weitergesponnen werden – mal auf Papier oder im Rechner, praktisch in Form von Modellen oder nur in den Köpfen von Paulo und Marec, die sich hier auch zum Brainstormen treffen.

Wer Paulo, der für einen Job bei HASE BIKES vor drei Jahren nach Deutschland kam, mit einer Frage zum Design anpiekst, der löst einen enthusiastischen Erzählstrom aus – und die allgemeine Vorstellung davon, wie eigentlich Design entsteht, wird über den Haufen geworfen.

Zum Stichwort „Herausforderung“ fällt ihm nicht die futuristische Stromlienenform ein, sondern die HASE BIKES-Sitze, die nicht nur auf den KETTWIESEL-Modellen, sondern auch auf dem PINO für richtig viel Komfort sorgen – eines seiner ersten Projekte bei HASE BIKES. „Das war sehr anspruchsvoll“, erzählt Paulo. Zum Beispiel die Art des Mesh-Textils: „Das Spannmaterial muss ja alles aushalten – Sonneneinstrahlung, Regen, Belastung bis zu 200 Kilogramm.“

Bei einem Liegerad fungiert die Rückenlehne als Widerlager, der Fahrer stützt sich ab, um mehr Kraft aufzubauen – da treten hohe Kräfte auf. Dabei muss das Gewicht des Sitzes gering bleiben. Wie geht man da ran? Kurzerhand bauten Marec und Paulo eine Testmaschine, mit der sie die Belastbarkeit der Prototypen prüften. „Dabei kann man Problemstellen entdecken, die ansonsten gar nicht auffallen“, erklärt der Designer. Und auch die Optik ist sehr wichtig für das HASE BIKES Design: „Der Sitz nimmt am Rad eine enorm große Fläche ein – das muss man ins Gesamtbild integrieren können“, so Paulo. Grundgedanke: „Nach hinten soll man etwas tiefer sitzen, Gesäß und Rücken müssen wie in einem Schalensitz Halt finden, damit man nicht wie auf einem Brett hin- und herrutscht.“ Der Bezug ist mittig dünn gehalten, so dass viel Luftzirkulation möglich ist – keiner hat gern einen schwitzigen Rücken. Zu den Seiten hin ist das Material gepolstert. Das bringt Komfort und Seitenhalt. „Er ermöglicht, dass man das Trike noch sportlicher fahren kann.“ Die Dämpfungshärte der Bespannung ist nach wie vor einstellbar – sogar wesentlich einfacher als beim alten Modell.

Kreativität und der Weg zum Ziel

Zum HASE BIKES Design gehört auch die Integration des STEPS Motors in den Trike Rahmen.

Integration des STEPS Motors in den Trike Rahmen.

Wenn es um ein Design-Problem geht – etwa: „Wie können wir den neuen Shimano Steps-Motor ins Kross integrieren?“ –, erstellt Paulo zuerst eine Liste der Probleme und Ziele. „Dann mache ich Vorschläge, wie sie mir in den Sinn kommen – ganz ohne sie kritisch zu beleuchten.“ Es geht um eine Diskussionsgrundlage. Gemeinsames Nachdenken und die Kreativität des Anderen machen es extrem spannend. Kreativität ist natürlich nicht immer da, manchmal sitzt man rum und kommt lange nicht weiter. „Dann aber reicht plötzlich wieder ein Gedanken-Fünkchen, um – zack – eine neue Idee aufflammen zu lassen.“

Technische Innovationen entstehen nie zufällig, man macht sich quasi auf Bedarf Gedanken. „Unsere Kunden schätzten die sportliche Fahrdynamik des Kettwiesel. Aber manchen waren der Komfort und die Geländegängigkeit zu gering.“ Und so machten sich Marec und Paulo daran, eine sinnvolle Lösung zu finden. Marec als Ingenieur sorgt für die technische Weichenstellung. Der Designer weiß nicht nur darüber Bescheid, wie das ganze Rad einen harmonischen Auftritt findet, er braucht auch Wissen und Erfahrung über die Verwendbarkeit und Eigenschaften von Materialien – wie etwa beim neuen Mesh-Sitz. Und: Er denkt nicht nur in Farben und Formen, sondern auch in Winkeln und deren Wiederholungen!
Eines seiner Vorbilder: Raymond Loewy – dieser amerikanische Designer hat immerhin die Fanta-Flasche kreiert.

Was macht den BMW zum BMW?

Paulo Mesquita arbeitet an einer einheitlichen Formensprache der HASE BIKES.

Paulo Mesquita arbeitet an einer einheitlichen Formensprache für das HASE BIKES Design.

Wer die letzte Generation KETTWIESEL mit den Modellvarianten von 2015 vergleicht, stellt ganz klar fest: Es hat sich nicht nur in der technischen Entwicklung einiges getan. Die neuen Trikes haben einen stimmigeren Auftritt bekommen, die Räder sind eindeutig als Modellfamilie zu erkennen, wie der 7er BMW als großer Bruder des 3er. Was ist es, was uns das ermöglicht? Und wieso erkennen wir überhaupt einen BMW? Der Designer weiß Antwort. „HASE BIKES hatte immer schon ein sehr innovatives Engineering und tolle Produkte“, erklärt er, „aber kein durchgängiges Designkonzept. Es gab keine durchgehende „Design-Sprache“.

Aber wie „spricht“ ein Trike? Auf vielerlei Arten: „Natürlich sind massive Rohrdurchmesser und kräftige Proportionen zuerst einmal technische Eigenschaften“, so Paulo. „Aber man kann sich solche Eigenheiten auch optisch zunutze machen.“ Das geht aber noch viel weiter: Ganz wesentliche Design-Objekte können zum Beispiel die Winkel sein, in denen Rohre aufeinander treffen. „Ich hatte mir das Rad angesehen und festgestellt, dass beim Kettwiesel das Dreieck ein ganz wesentliches Element ist. Das gilt es, weiter zu kommunizieren.“ Wer sich nun das KETTWIESEL der neuesten Generation ansieht, der stellt fest, dass funktionale Teile – wie etwa die neue Dreiecks-Abstützung des Sitzes stärker in den Vordergrund treten.

Für die Integration des Steps-Motors im Vorderrahmen heißt das: Die Aufnahme wurde nicht einfach viereckig gestaltet; auch hier gibt es spitze Winkel die optisch integrieren, aber auch eine sehr flache, aerodynamische Formgebung des aufnehmenden Rahmens.

Weitere integratinonsstiftende Elemente: Der schräge „Anschnitt“: Wo der Hauptrahmen der Trikes den Teleskop-Vorderbau aufnimmt, läuft das Rohr nicht im rechten Winkel, sondern schräg aus. Das verleiht dem Auftritt Dynamik – auch das Stufentandem PINO trägt dieses Designelement.

Schlussendlich sind auch die rein optischen Elemente stilbildend: Der HASE BIKES-Schriftzug und die Modellschriftzüge wurden sportlich-schwarz unterlegt. Doch auch dieser Hintergrund ist natürlich nicht einfach ein Rechteck – er läuft in einem stumpfen Winkel aus. Auch solche Banalitäten wie die bei allen Modellen die matte Farbe trägt zur „Familienbildung“ bei.

Viele Ziele – eine Lösung

Bloggerin Maria Jeanne Dompierre testet das Kettwiesel Evo mit Roller Bag.

Bloggerin Maria Jeanne Dompierre testet das Kettwiesel Evo mit Roller Bag.

Oft sind die Anforderungen an das Entwickler-Designer-Duo doppelt hoch: „Für das Kettwiesel wollten wir nicht nur eine gefederte Hinterachse haben, sondern auch einen alltagstauglichen Kofferraum. Das zu kombinieren war eine echte Challenge!“, gibt Paulo zu.

Die Kriterien:
– Das Rad darf durch die Zuladung nicht zu hecklastig werden.
– Die sprichwörtliche Kurvenfreude soll erhalten bleiben.
– Der Kofferraum soll abnehmbar und auch ohne Rad mobil sein.

Was herauskam, ist tatsächlich einzigartig im Spezialradbereich.
Gelöst wurde das Problem mit zwei Schwingenarmen, die weit genug auseinander sitzen, dass dazwischen eine 50 beziehungsweise 100 Liter fassende Tasche passt. Die einzeln gefederten Schwingenarme sorgen für eine faszinierende Straßenlage. Durch die Verlängerung des Radstands wird das KETTWIESEL nicht hecklastig. Der Clou: Die Tasche kann abgenommen und dank des Trolleys, auf dem sie sitzt, auch als Riesen-Einkaufskorb verwendet werden.

Noch selbstbewusster wurde das Auftreten des KROSS durch das dynamisch-knallige Gelb und die fetten Stollenreifen. Sie und das serienmäßige Differenzial sorgen dafür, dass es auch bei übelstem Untergrund immer weiter vorwärts geht – und sei es auch noch so steil bergauf. Die Kette läuft nun rundum geschützt durch ein Röhrchensystem. Zur cleanen Anmutung tragen innenverlegte Züge bei. „Es hat eine Weile gedauert, bis das KETTWIESSEL fertig entwickelt war“, sagt Paulo. „Aber Marec hört nicht auf, bis er eine Lösung hat – er ist wirklich zäh.“ Und Marec Hase hat wohl auch den richtigen Partner dazu.

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1 Kommentar

  • Antworten HASE BIKES - meine Empfehlung - Liegeradfrau.de 8. November 2015 at 16:55

    […] über ihn gibt es im aktuellen Beitrag bei Hase Bikes zu erfahren und außerdem auch, welche Strategie Hase Bikes mit ihrer Produktlinie […]

  • Antworten

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