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Händlerworkshop 2017 bei HASE BIKES: Inside from Outside.

24. November 2017

1 Kommentar

Kirsten Hase gibt den Auftakt zum Händlerwörkshop und begrüßt alle Teilnehmer.

Kirsten Hase gibt den Auftakt zum Händlerwörkshop und begrüßt alle Teilnehmer.

Was ist das: Nicht Händler, nicht Hase, und doch mittendrin im HASE BIKES Händlerworkshop? Das bin ich. Und schreibe hier, was da so läuft.

Drei Tage vorher. Frau Hase ruft an: „Hey Anne, hast Du Lust, über unseren Händler-Workshop zu bloggen?“ „Na klar!“ hör ich mich sagen, ohne wirklich zu wissen, was das ist. Prompt träume ich nachts von on einem halbseidenen Gratifikations-Event für Sales-Männer, bei dem das Programm deutlich unter der Gürtellinie liegt. Schäbig.

Drei Tage später ist der unschöne Traum verdrängt, und ich fahre neugierig zum Händlerworkshop. Und dann das: min. 95% der 160 Teilnehmer sind männlich, und Kirsten Hase verkündet bei der Begrüßung, dass der SM-Workshop leider ausfallen muss…

Aber weil wir hier bei HASE BIKES sind und nicht bei Shark Unlimited, stellt sich der anzügliche Workshop als Konsonantendreher heraus, und die Teilnehmer sind so wenig halbseiden wie ihr Outfit. Ganz im Gegenteil.

Im Workshop „Drehen&Fräsen“ wird ein Miniaturmodell des Kettwiesel angefertigt.

Das also ist ein Händlerworkshop

Schon beim Lesen des Programms wird mir klar, dass es an den zwei Tagen nicht um Abverkauf und Animation geht, sondern um Qualifizierung, Austausch und Networking. Insgesamt werden 14 verschiedene Workshops angeboten – die meisten davon zu Montage, Demontage und Zubehör der verschiedenen Modelle. Vier Workshops haben den Schwerpunkt „Reha“; Hier geht es um Sonderbauten und Spezialzubehör, um physiologische Grundlagen und nicht zuletzt um Medizinprodukte-Recht. Was ein HASE BIKES Händler so alles wissen muss!

Gern hätte ich im Workshop „Drehen und Fräsen“ ein Spielzeug-Trike gebaut, aber das frühe Weihnachtsgeschenk war mir nicht vergönnt. Stattdessen wurde ich in Workshops zum TRIGO geschickt, dem neuen Trike aus dem Hasenstall. Theoretisch kenne ich mich mit den beiden TRIGOs bestens aus, aber hier geht’s ja um die Praxis, und da sollte man den Ball lieber flach halten, wenn man einen „Umwerfer“ für einen asozialen Vollpfosten hält. So höre und schaue ich also nur zu und lass die Anderen machen.

We go TRIGO: Was geht UP?

An der Station „TRIGO Basics“ geht es zuerst um „Unboxing“ und „Boxing“, neudeutsch für „raus aus dem Karton“ und „rein in den Karton“. Leonard von HASE BIKES erklärt die einzelnen Schritte, Carlos, Gabriel, Maximilian und Milan aus meiner Gruppe bauen das Teil zusammen, wobei Milan auch mal das Werkzeug weglässt und nur mit Fingern und Feingefühl arbeitet. Ich bin beeindruckt.

Überhaupt stelle ich im Laufe des Händlerworkshop fest, dass HASE BIKES-Händler weniger Verkäufer sind als Fahrradbegeisterte, die sehr viel Ahnung haben von Technik, Mechanik, Ergonomie – und von ihren Kunden, die oft ganz spezielle Anforderungen haben, die Erfahrung, Empathie und Kreativität erfordern.

Chefdesigner Paulo präsentiert beim Händlerworkshop stolz sein neuestes Werk.

Chefdesigner Paulo präsentiert beim Händlerworkshop stolz sein neuestes Werk.

Empathie und Ergonomie

Deshalb wird die Diskussion auch besonders lebhaft beim Punkt „Ergonomische Einstellungen beim TRIGO“. Hier erklärt der portugiesische Chefdesigner Paulo, wie leicht und werkzeuglos sich die TRIGOs anpassen lassen und was man bei eventuellen Einstellungskonflikten machen kann – z.B. wenn ein Spezialpedal mit Wadenhalter den Boden berührt, weil die Füße einfach zu groß sind.

Nach all den Erklärungen stehen die Testfahrten an, und irgendwie hat das was von Jungs auf dem Schulhof. Paulos Landsmann Carlos fremdelt mit dem Obenlenker des TRIGO UP, Andere finden den gerade gut weil „so shoppermäßig“ und cruisen wie Fonda und Hopper durch die Halle. Zum Schluss dieses Workshops wird mir klar, wie viele Händler schon Stammgäste sind und diesem Event etwas entspannt familiäres geben: Paulo bekommt spontan einen Extraapplaus, weil er mittlerweile schon richtig gut Deutsch spricht!

One steps beyond

Beim Workshop „TRIGO Zubehör“ geht es vor allen Dingen um das heimliche Highlight der neuen Trikes: das Shimano-Steps Nachrüstkit. Tatsächlich sind die TRIGOs weltweit die einzigen Räder, die mit einem Shimano Steps Mittelmotor nachgerüstet werden dürfen. Da alle Handouts zu den Workshops zweisprachig sind, lerne ich ganz nebenbei das englische Wort für Nachrüstung: „retrofitting“. Ein neues Lieblingswort!

HASE Mitarbeiter Thore erklärt das Pino.

Wie man das TRIGO zum Pedelec macht, zeigt uns Frank, der mit über 10 Jahren Betriebszugehörigkeit ein echter Hase-Fuchs ist. In gut 30 Minuten lässt sich alles montieren, wenn man vom Fach ist. Ist man das nicht, gibt’s kein Nachrüst-Kit, denn HASE BIKES ist nicht Ikea. Sprich: DIY ist nicht.

Spätestens hier verstehe ich auch, warum es von HASE BIKES keinen Online Shop gibt: Weil die ganze Klasse der Räder nur dann zum Tragen kommt, wenn das Knowhow der Fachhändler sie perfekt an die Kunden anpasst. So einfach ist das.

Weitere TRIGO-Zubehöre werden erklärt und einbaut. Als da wären: das Differential, die Korbhalterung, das Schutzblechkit, das Verlängerungsset und die Kettenumlenkung. Komplimente fallen, Kritik wird geäußert, und keine meiner Fragen ist zu blöd, um nicht ernsthaft beantwortet zu werden.

Nebenbei erfahre ich noch, das „Morris“ ostdeutsch ist für „Maurice“, dass es in Leipzig eine Selbsthilfe-Werkstatt namens „Radgeber“ gibt (tolles Projekt!) und dass ein Ziehhammer kein Paradox ist, sondern ein nützliches Werkzeug, dass auch Gleithammer heißt, was aber genauso absurd klingt.

 

Alte Hasen, neues Zubehör

Mein letzter Workshop des Tages heißt „Trets, Trikes und Zubehör“. Bevor es losgeht, schaut Mister Bean noch kurz vorbei. Oder ist es Monsieur Hulot? Er betritt den Raum, geht mit atemberaubender Zielstrebigkeit auf das Klimax-Faltverdeck zu und faltet es zu einem wüsten Gebilde. Be-greift dann noch ruckzuck sämtliches Zubehör im Raum und trollt sich wieder. Schon komisch.

Als mein Grinsen aus dem Gesicht verschwunden ist, taucht es bei Philip wieder auf, als er uns die Vorteile des Regenüberzuges erläutert, während er selbigen über den Sitz spannt. Ja, das hat schon was von Teleshopping… Dann doch lieber erklären, wie man das neue Rahmenschloss anbringt oder wie die Schutzabdeckungen für Disk und Laufrad angepasst und montiert werden!

Nach fest kommt ab

Das Klimax-Verdeck ist mittlerweile wieder hübsch entfaltet, und Dario präsentiert uns die Optimierungen, die dieses HASE BIKES-Patent tatsächlich noch erfahren konnte – und dabei sogar noch günstiger wurde. Dann erklärt uns Philip die Multifunktionalität des TRETS, und zum Schluss des Workshops lerne ich tatsächlich noch, wie der alte Drehmoment-Schraubersatz „Nach fest kommt ab.“ weitergeht: „Und nach ab kommt Arbeit.“

Pause Zwischen den Workshops – Mittagszeit

Nach Arbeit kommt Vergnügen

Draußen ist es mittlerweile dunkel geworden. Das illuminierte Zechengebäude, in dem HASE BIKES seinen Hauptsitz hat, sieht wunderschön aus. Das Feuer davor macht es noch wunderschöner, und scheint mir der perfekte Platz, um jetzt ein Feierabend-Bier zu trinken.

Das Büffet beim Händlerworkshop lässt keine Wünsche offen.

Das Büffet beim Händlerworkshop lässt keine Wünsche offen.

Andere wählen zur Entspannung Qi-Gong. Der Kurs findet im Gebäude gegenüber statt, im Glaskubus vorm offenen Kamin. Statt mich da oben Tiger, Kranich und Affe zu widmen, kraule ich hier am Feuer den kleinen schwarzen Cockerspaniel, der plötzlich auftaucht und schwer nach nassem Hund müffelt, aber ansonsten ganz entzückend ist.

Im Hauptgebäude wird derweil fleißig umgebaut: die Workshop-Stationen in der Halle weichen einem bunten Sortiment an Retro-Games: Kicker, Air-Hockey und – was die ehemalige Skillshot Queen sehr freut – mehrere Flipperautomaten. In der Mitte des Raumes wird ein DJ-Pult aufgebaut und oben auf der Empore ein gigantisches Büffet.

Da oben finden sich schließlich alle ein. Essen, trinken, reden, wie das eben so ist, wenn’s gemütlich wird. Selbst hier lerne ich noch dazu: dass Männer mittlerweile auch bei vegetarischem Essen echte Fressfeinde sind, und dass (L)Eidgenossen aus der Schweiz äußerst unterhaltsam sein können (an dieser Stelle ein Äxgüsi, dass ich alle Tannen in Airolo umgefahren habe. Und Laternen. Und überhaupt).

So war das also als Texterin inmitten von Hasen und Händlern. Interessant, informativ, unterhaltsam, lecker und lustig. Wirklich schade, dass ich zur Party nicht bleiben und am zweiten Tag nicht kommen konnte. Aber nächstes Jahr bin ich wieder dabei! Bestimmt. Wenn ich noch darf nach diesem Text.

Nachtrag

In der folgenden Nacht habe ich wieder einen Traum: Beim Flippern gewinne ich eine Reise mit Dennis Hopper nach Portugal. Damit wir über die Alpen kommen, baut Morris mir ein Differential ans TRIGO, das aber leider komplett verklebt, als wir ein gewaltiges Käsefondue durchfahren. Gut, dass vor einer Almhütte ein Promotion-Stand ist! Aus den Lautsprechern dröhnt Joe Cocker, und Philip verkauft uns einen Käseziehhammer und gibt einen Umwerfer gratis dazu. So können wir weiter radeln, vorbei an Alpenvieh, das Qi Gong macht und Murmeltieren beim Feierabendbier. Als wir endlich an der Algarve ankommen, ist mein Hotelzimmer schon belegt: Monsieur Hulot macht Ferien. Gut, dass Dennis mir ein KLIMAX eingepackt hat! Wir suchen uns ein hübsches Campingplätzchen, ich falte das wärmende Verdeck über mich und schaue in den gigantischen Sternenhimmel. „Schau mal, da ist der Große Hase!“ rufe ich. Und dann werde ich sehr sehr müde. Gute Nacht, Dennis. Gute Nacht, Anne. Bonne nuit, Maurice. TILT.

Das hab ich nicht wirklich geträumt, oder? Nein, komplett erfunden. Aber alles andere in diesem Blog ist wirklich passiert. Ich schwör.

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1 Kommentar

  • Antworten Christian Rehmann 26. November 2017 at 13:18

    Toller Artikel hat mir viel Spaß gemacht beim Lesen. Das mit den Bäumen und Lampen nehmen wir Dir nicht übel
    😉

  • Antworten

    *