Technik & Innovation, Verkehr & Mobilität

Flirtende Autos – charmante Radler

9. September 2015

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Eine spannende und aufregende, aber auch erfolgreiche Eurobike ist zu Ende. Wir hatten viele gute Gespräche mit Händlern – und auch mit solchen, die es werden wollen. Am Besuchertag kamen Trike- und Tandemfans wie begeisterte Neueinsteiger an unseren Stand. Sie lobten, kritisierten, gaben Anregung … es war wirklich klasse und interessant für beide Seiten.
Seit gut einer Woche sind wir wieder in Waltrop. Die Nachbereitung ist weitgehend abgeschlossen; die Reha Care steht vor der Tür, aber so langsam gehen wir auf die traditionell etwas ruhigeren Tage im Herbst zu.

Hightech meets Emotion
Zeit, mal wieder ein bisschen den Blick schweifen zu lassen. Auf Mobilität, zum Beispiel auf das selbstfahrende Auto: die Testboliden von Mercedes Benz und Google haben schon das ganze Jahr über eine enorme Medienpräsenz – das ganz ohne Eingreifen der Passagiere steuernde und bremsende Auto wird von den Autoherstellern als die Zukunft der Mobilität angesehen. Was bislang noch nicht Thema war: Wie verhält sich der Selbstfahrer in Bezug auf Radfahrer?
In den USA gab es kürzlich folgende interessante Situation: Ein selbstfahrendes Google-Car kam an eine Kreuzung mit vier Stoppschildern, wie dort häufig anzutreffen. Fast gleichzeitig stoppte an der querenden Straße ein Radfahrer. Normalerweise hat in den USA dann der zuerst Angekommene Vorrang.
Was dann kam, kann man vielleicht eher als erstes Date denn als typische Vorfahrtshetze interpretieren. Etwas provokant, aber vielleicht mit einem Zwinkern im Auge tritt der Radler sachte ein bisschen ins Pedal und gleitet wenige Zentimeter nach vorne. Stoppt dann wieder. Das Google Auto? Macht das Gleiche. War da ein leichtes Aufflackern der Lichthupe? Jedenfalls gleitet ein sanftes Lächeln übers Gesicht des Radlers. Nochmal senkt sich sein Fuß ein wenig, sein Rad macht einen Hauch von Rutsch nach vorne. Das Auto spielt mit, ruckelt sanft einen Zoll weiter. Ein interessierter Beobachter hätte das sicher als vorsichtiges, gegenseitig abcheckendes Tänzeln erkannt. Schüchtern, aber dann doch immer wieder mutig; eben wie bei einem zaghaften Flirt.
Eine sehr sanfte Annäherung, keinesfalls zum Zwecke, Vorfahrtsrecht durchzusetzen. Viel eher war es der erste Schritt zum neugierigen Kennenlernen, ein zurückhaltendes Abtasten.

Wenn sich Autos unsicher fühlen
Zum – sicher behutsamen – Body-Check kam es dann aber doch noch nicht: Der Radfahrer, wahrscheinlich mit geröteten Wangen und zitternden Knien, fuhr erst nach einigen Minuten aus der Kreuzung und ließ das Google-Car – zumindest für dieses Mal – alleine zurück.
Wie kommt dieser potenzielle Beginn einer wunderbaren Freundschaft zustande? Das Auto ist nicht auf Vorfahrt, sondern auf absolut sichere Fortbewegung programmiert. Sobald, aus welchem Grund auch immer, ein Zusammenstoß droht, stoppt es. Das mehrmalige Antreten des Radlers stellte so eine Gefahr da und brachte das Auto also immer wieder zum Stocken. Zu verdanken haben wir das Wissen über die Begegnung der anderen Art den Mitfahrern im Google-Car, die gespannt die Koketterie ihres kleinen Aufreißers beobachteten und schriftlich fixierten.

Was lernen wir aus dem Vorfall? Zunächst, dass das Verhältnis Auto–Radfahrer eigentlich gar nicht so schlimm sein muss – vielleicht sind intelligente Autos sogar richtig nett?
Und dann vielleicht noch: dass das selbstfahrende Auto grandiose Zeiten mit sich bringen wird – für uns Radfahrer.
Bislang ist übrigens kein einziger Fall einer Kollision zwischen einem selbstfahrenden Auto und einem Radfahrer oder Fußgänger bekannt …

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