Verkehr & Mobilität

Geschützte Radfahrstreifen – ADFC geht neue Wege

19. Juli 2018

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geschützter Radfahrstreifen in Chicago

Der ADFC will sich zunehmend für geschützte Radfahrstreifen im Straßenverkehr einsetzen. Diese Unterstützen den Ausbau einer Radverkehrsinfrastruktur, die auch dem Sicherheitsempfinden der Radfahrer besser entspricht. Die geschützten Radfahrstreifen verlaufen ebenso wie die den Fußweg begleitenden Radwege parallel zum Bürgersteig, sie sind aber vom Fahrstreifen der Autos durch großflächige Markierungen und Poller, feste Pylone („Verkehrshütchen“) oder auch Blumenkübel getrennt. In den USA hat man bereits gute Erfahrungen gemacht und konnte den Anteil des Radverkehrs in einigen Städten deutlich steigern.

Der Status quo in Deutschland: benutzungspflichtige Radwege vs. Fahren auf der Straße

Durch Poller gesicherter Radfahrstreifen in Chicago

Durch Poller gesicherter Radfahrstreifen in Chicago. Foto: Evans/ADFC

Vorneweg: In Deutschland muss man als Biker oder Triker den Radweg benutzen. Ein benutzungspflichtiger Radweg ist mit einem blauen Schild gekennzeichnet, auf dem ein Fahrradsymbol steht. Oder mit dem blauen Schild, das ein Fahrrad und einen Fußgänger neben- oder untereinander zeigt. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC setzt sich für die Rechte des Radfahrers ein – und damit auch für einen sichereren Straßenverkehr. Dabei stellt sich die Frage: Was ist die richtige – sprich effiziente wie sichere – Infrastruktur für die Radfahrer?

Jahrzehntelang vertrat der ADFC die Meinung, Fahrradfahrer gehörten auf die Fahrbahn. Tatsächlich sieht die Straßenverkehrsordnung Radwege offiziell nur dort vor, wo der Straßenverkehr besonders gefährlich für Radfahrer ist. Also etwa auf Straßen, die innerhalb der Stadt für hohes Tempo freigegeben sind. Viele Radwege neben ruhigen, breiten Straßen sollten also gar nicht existieren. Und grundsätzlich gilt: Je mehr Fahrradfahrer auf der Straße sind, desto besser werden sie vom Autofahrer wahrgenommen, desto besser gewöhnt er sich daran, es mit Fahrradfahrern zu tun zu haben, und ist darauf gefasst, Radfahrern zu begegnen. Der Sichtkontakt ist das Entscheidende.

Radwegpflicht abschaffen?

Jahrelang kämpfte man daher für die Abschaffung der Radwegpflicht. Einer der Hintergründe: Gerade die Kreuzungspunkte zwischen Radwegen und Straßen sind Gefahrenstellen – das „Übersehen“ des Radfahrers beim Rechtsabbiegen ist ein klassischer Fall dafür. Studien belegen, dass mit klassischen Radwegen sogar mehr Unfälle passieren, als wenn die Radler auf der Straße fahren. In vielen Gemeinden fing man also in den letzten Jahren nach langem Tauziehen an, die ersten Radwegschilder abzubauen. Wir haben hier im Blog über das Beispiel der Stadt Köln berichtet. Das bedeutet: Diese Radwege dürfen, müssen aber nicht benutzt werden. Denn viele, und damit auch der ADFC, waren der der Meinung: Radfahrer gehören auf die Straße, dort sind sie sicherer.

Gefühlt sicherer auf dem Radweg

Blockierter Radweg im Stadtverkehr

Viele Radfahrer hätten gerne mehr Abstand zur Autospur. Foto: ADFC/ Gerhard Westrich

Aber der Radfahrer ist ein kompliziertes Wesen. Während es Alltagsfahrer oft mit Genugtuung aufnahmen, dass sie nun auf bestimmten Streckenabschnitten auf der Straße fahren dürfen beziehungsweise müssen, bleiben Gelegenheitsfahrer und Wochenendtourer laut anderen Studien lieber auf dem Radweg. Der Abstand zu den Autos vermittelt ihnen ein Gefühl von Sicherheit, wie Umfragen immer wieder ergaben.
Für den ADFC – immerhin die wichtigste und politisch einflussreichste Fahrradlobby in Deutschland – ist der geschützte Radfahrstreifen nun das Ziel, das dem Radfahrer zu mehr Sicherheit verhilft. Im Positionspapier dazu erklärt der ADFC: „Der Einsatz dieser neuen Version des ‚Radfahrstreifens plus schützender Trennelemente‘ hat in vielen Städten der USA zu einer maßgeblichen Erhöhung des Radverkehrsanteils beigetragen … Bei den untersuchten Varianten wurden bei Videobeobachtungen keine Kollisionen und kaum gefährliche Situationen festgestellt.“

Das Sicherheitsbedürfnis im Mittelpunkt

Klar, wer kennt das nicht: Bei der Fahrt auf dem Radweg, der meterweit von der Straße liegt, haben wir viel mehr das Gefühl der Sicherheit. Und dieses Sicherheitsgefühl der Menschen habe der ADFC bislang nicht berücksichtigt, erklärt der Verband in der letzten Ausgabe seines Magazins RADwelt. Aber auf dieses Gefühl käme es auch an. Deshalb habe er seinen Fokus verändert und stelle jetzt nicht mehr das Fahrrad, sondern den Radfahrer mit seinem Sicherheitsbedürfnis in den Mittelpunkt. Man könnte sagen: „Das hat ja ziemlich lang gedauert.“ Aber andererseits: Wenn der geschützte Radfahrstreifen uns jetzt weiterhilft, gut. Hauptsache, wir können sicher Rad fahren.

 

Fotocredits:
Titelbild: Evans/ADFC

 

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