Verkehr & Mobilität

Gerichtsbeschluss: Die Gesetze gelten – auch ohne Fahrradhelm!

18. Juni 2014

2 Kommentare

Helmpflicht

Noch nie wurde ein aktuelles Fahrradthema so intensiv in den Medien gehandelt wie ein Urteil des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vom 17. Juni. Schon mit dem Radiowecker drang das Thema in den Schlaf nichts ahnender Radfahrer, und den ganzen Tag über wurde auf sämtlichen Kanälen darüber berichtet, befragt und diskutiert. Und am Folgetag ging’s weiter.

Der Fall: Eine Autofahrerin hatte 2011 per Autotür eine vorbeiradelnde Frau zum Stürzen gebracht. Sie erlitt eine schwere Kopfverletzung. Später wurde ihr zwar von einem Gericht in Schleswig-Holstein bestätigt, dass die Autofahrerin schuld am Unfall gewesen sei, sie aber trotzdem 20 Prozent des entstandenen Schadens selbst übernehmen müsse, weil sie keinen Helm getragen hatte. Die Frau ließ sich das nicht gefallen und zog, unterstützt unter anderem vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC, vor den Bundesgerichtshof.

Und der fällte schließlich am besagten 17. Juni das Urteil: Ob Fahrradhelm oder nicht, dem Unfallopfer steht der volle Schadenersatz zu. Gut, denn ansonsten hätten sich wohl die Haftpflichtversicherungen bald um Bezahlung drücken können, wenn ich mich beim Fensterputzen ohne Helm am Kopf verletze. Schließlich passieren im Haushalt bei Weitem die meisten Unfälle, also ist es auch hier ratsam, einen Helm aufzusetzen.

Fahrradhelm im Fokus

Fahrradclubs und -Institutionen sind fast ausnahmslos zufrieden mit dem Urteil: Zum einen, weil dadurch die „Helmpflicht durch die Hintertür“ verhindert wird. Schließlich wäre es de facto fast eine solche: Man könnte nur verhindern, bei einem Unfall automatisch Mitschuld zu haben, indem man einen Helm trüge.

Zum anderen, weil sich Radler damit weiterhin selbst für oder gegen den Helm entscheiden können. Und, auch wichtig: In Ländern, in denen eine Helmpflicht eingeführt wurde, ging der Radverkehr deutlich zurück.

Wer den Radverkehr stärken will – und das behauptet der Gesetzgeber ja von sich –, der sollte also unbedingt die Finger von der Helmpflicht lassen. Eine ständige Zunahme der Radfahrer, wie wir sie gerade erleben, führt dagegen zu mehr Sicherheit im Verkehr: Je mehr Radfahrer es gibt, desto besser nimmt man sie wahr. Das kann man unter anderem an den Unfallzahlen in den Niederlanden ablesen. Dort gibt’s übrigens keine Helmpflicht.

Die Konsequenz daraus: noch mehr Biker auf die Straßen – und diese radgerechter machen! Dadurch werden ganz von selbst die Autofahrer weniger und die Unfallzahlen auch.

Wir sind auf einem guten Weg, oder?

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2 Kommentare

  • Antworten Stroong 27. Juli 2014 at 16:38

    Haarrisse ? Da gabs doch was von ratiopharm . nein . von cagalrs 🙂 Die reparieren sicher auch Helme und das vf6llig kostenlos mit einer Kasko Versicherung.OK, man kf6nnte hier wohl noch le4nger drfcber philosophieren, aber ffcr mich klingt es doch schon etwas nach dem Versuch der Industrie den Absatz von Helmen anzukurbeln, da wohl langsam eine Marktse4ttigung erreicht ist.Ein Tipp am Rande noch : Anstatt umweltsche4dliche Geruchsstoffe und umweltsche4dliche Kunststoffe zu benutzen, kf6nnte man ja in Fahradhelmen auch alte Socken als De4mmstofff einsetzen. Die riechen zwar streng, sind aber zu 100% biologisch abbaubar.

  • Antworten Eduard J. Belser 5. August 2014 at 0:18

    «Wer Hirn hat schützt es!» So wurde das Tragen des Fahrradhelms in Österreich beworben. So gesehen, kann man mit dem Tragen eines Fahrradhelms zeigen, dass man Hirn hat und das kann nichts dummes sein. Auch als Liegetrikefahrer, fahre ich nur mit Helm. Ich will doch keinen Dachschaden erleiden und nachher so dumm daherlallen müssen, wie gewisse PolitikerInnen.

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