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Faul statt schaltfaul: Richtig schalten an Bike und Trike

4. März 2015

2 Kommentare

Hase Bikes Blog: Richtig schalten

Mit dem richtigen Gang dort hoch kommen, wo andere unten bleiben müssen.

Noch immer soll es Leute geben, die Fahrradfahren „zu anstrengend“ finden. Und unter den Fahrrad Fahrenden außerdem solche, die nicht schalten, weil sie dazu „zu faul sind“. Beiden ist mit dem richtigen Gebrauch der Schaltung geholfen. Besonders interessant ist dabei der vermeintliche Faulheits-Aspekt: Wer sich einmal angewöhnt hat, die Schaltung sinnvoll zu bedienen, stellt schnell fest, dass er zuvor alles andere als faul war. Im Gegenteil: Er hat sich immer viel zu sehr beim Treten gequält – nämlich mit dem zu großen Gang.

Nicht vergessen: kuppeln!

Wie bei der Schaltung im Auto gibt es beim Biken eine Kupplung. Nur: Auf dem Rad sind wir das selbst. Allerdings „kuppeln“ wir nach kurzer Eingewöhnung vollautomatisch. Dabei gibt es einen kleinen Unterschied zwischen den Schaltsystemen.

Kettenschaltung: Hier wird beim Gangwechsel die Kette auf ein Zahnrad gehievt. Die Kette muss also in Bewegung bleiben, damit dessen Zähne leicht und schonend in die Kettenglieder greifen. Kuppeln heißt also hier: weiterpedalieren mit leichtem Druck auf die Pedale.

Nabenschaltung: Der Gangwechsel findet in der Hinterradnabe statt. Da geht’s eng her, und den meisten Naben erleichtern wir den Schaltvorgang, indem wir die Pedalbewegung kurz aussetzen. Nur bei der Nuvinci- und der Rohloffschaltung kann auch wie bei der Kettenschaltung ohne großen Druck weiterpedaliert werden.

Schon mal ausprobiert? Ihr werdet sehen: Damit fluppt der Gangwechsel wie geschmiert.

Passender Gang: auf hohe Frequenzen achten!

So wie der Automotor mit der falschen Übersetzung Probleme bekommt oder sogar „abgewürgt“ wird, brauchen wir die richtige Trittfrequenz für gesundes und lockeres Radfahren. Ergonomisch liegt die bei gut 60 bis 90 Umdrehungen pro Minute. Selbst Radler, die viel fahren, fahren oft mit zu geringer Frequenz. Eine Stoppuhr braucht ihr zur Kontrolle nicht: Ein flott ausgesprochenes „Einundzwanzig“ dauert etwa eine Sekunde. Währenddessen sollte euer Fuß mindestens eine Umdrehung gekurbelt haben. Höhere Frequenzen sind gesünder als zu tiefe. Je langsamer man pedaliert, sprich: je größer der Gang bei gleicher Geschwindigkeit, desto stärker werden Knie- und Fußgelenke beansprucht, aber auch die Sehnen und Muskelansätze werden unnötig stark belastet. Vor allem am Berg macht sich der Unterschied sofort bemerkbar: Wo man mit langsamer Frequenz mit letzter Kraft noch hochkommt, wird mit der doppelten Umdrehungszahl dank kleinem Gang die Steigung zum Klacks.

Wann schalten?

Wer drei-, viermal auf seine Trittfrequenz geachtet hat und infolge dessen dann bewusst schneller pedaliert, dem geht die passende Kadenz in Fleisch und Blut über. Und dann ist es ganz einfach. Beispiel: An einer leichten Steigung sinkt die Frequenz. Das bedeutet: Ich schalte in einen kleineren Gang, um die Frequenz zu halten oder – am Berg sinnvoll – zu erhöhen.

– Je steiler der Berg ist, desto frühzeitiger sollte ich in den kleineren Gang schalten. In der Steigung selbst wird es schwieriger, so viel Druck vom Pedal zu nehmen, dass flüssiges Schalten möglich ist. Das gilt vor allem für die Nabenschaltung.

– Kettenschaltungsfahrer sollten vor Beginn einer größeren Steigung auf ein kleineres vorderes Kettenblatt wechseln, denn dieser Schaltvorgang braucht unter starker Pedalbelastung am Berg zu viel Zeit, man verliert viel Schwung, es knirscht unangenehm dabei – natürlich auf Kosten des Materials.

– Ganz wichtig: der kleine Gang beim Losfahren! Wer ein Trike oder ein Tandem fährt, weiß, dass es hier besonders auf den richtigen Gang zum Losfahren ankommt. Ergo: Vor dem Halten, zum Beispiel an der Ampel, so weit runterschalten, dass man ganz ohne Anstrengung vom Fleck kommt und locker-flockig beschleunigen kann. Wer eine Nabenschaltung fährt, hat’s da einfach: Damit kann man auch schalten, wenn er schon steht. Kettenschaltungsfahrer sollten sich angewöhnen, beim Ausrollen vor der Ampel den passenden Gang zum Losfahren einzulegen. Dabei am besten „leer“ weitertreten und bis zum gewünschten Gang klicken beziehungsweise drehen. Auch das läuft nach einiger Zeit garantiert wie von selbst.

– Der Kettenschräglauf der Kettenschaltung: Mit drei Kettenblättern vorne wird man meist auf dem mittleren unterwegs sein. Wenn man beim schnelleren Fahren dann auf das große Blatt schaltet, muss die Kette hinten wieder etwa zwei Ritzel – je nach Gesamtritzelzahl – höher wandern, um diesen sehr großen Übersetzungssprung auszugleichen. Umgekehrtes gilt natürlich beim kleinsten Kettenblatt. Schräglauf vermeiden! Schaltkonstellationen wie vorne äußeres Kettenblatt, hinten inneres Ritzel sind a) sehr ineffizient, denn ein guter Teil der Pedalkraft verpufft in Reibung, und b) sie lassen Kette und Ritzel sehr schnell verschleißen!

Ganz schön viele Punkte? So zu schalten, dass man fast wie von selbst dahinrollt, macht Biken und Triken erst perfekt. Und versprochen: Ihr werdet feststellen, dass die Tipps nur ein paar Mal bewusst umgesetzt werden müssen, damit sie in Fleisch und Blut übergehen.

Und das ist quasi der Schnellgang für den perfekten Fahrspaß!

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2 Kommentare

  • Antworten Eduard J. Belser 30. Juli 2015 at 10:53

    Ich habe am Montag mein Liegetrike zur grossen Inspektion mit Ersatz der Verschleissteile gebracht. Bis abgeklärt war, was zu machen ist, durfte ich ein neues Liegetrike aus dem Laden Probefahrten. Das Liegetrike selbst war ganz toll, aber leider mit Kettenschaltung ausgerüstet. Ich verschaltete mich ständig und blieb prompt auf einer stark befahrenen Kreuzung liegen. Was meine schlechte Meinung über Murphy und die Untauglichkeit von Kettenschaltungen im allgemeinen und an einem Liegetrike im besonderen bestätigte, die sich eben nicht wie Nabeschaltungen im Stehen schalten lassen. Kettenschaltungen an einem Liegetrike sollten eigentlich nur noch als Sonderwunsch gegen einen deftigen Preisaufschlag bzw. Masochistenzuschlag eingebaut werden. Die Zukunft gehört eindeutig den Naben- und Tretlagerschaltungen. Den gerechtfertigterweise etwas höheren Preis einer Nabenschaltung bezahlt man einmal, den Ärger mit einer Kettenschaltung hat man jedes mal, wenn man das Rad fährt. Geiz ist nicht geil sondern einfach nur doof und masochistisch.

  • Antworten Michi 2. Februar 2017 at 23:02

    Echt tolle Seite habt Ihr hier. Hab mir jetzt auch so ein Liegetrike zugelegt, weil meine Freunde sehr davon schwärmen. Freue mich schon auf die ersten Ausfahrten.
    Der Blogartikel gefällt mir sehr. Werde dabei auf einige Sachen achten.
    LG Michi

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