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Fahrradreifen: Von Reifenprofil, Aquaplaning & Gummimischung

21. September 2017

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Fahrradreifen sind die Verbindung zwischen dem Fahrrad und der Straße. Aber warum gibt es unterschiedliche Fahrradreifen? Wir erklären es euch.

Fahrradreifen

Fahrradreifen haben unterschiedliche Profile

Fahrradreifen ist nicht gleich Autoreifen

Beim ersten Anblick eines Rennradreifens hatte wohl jeder sein Aha-Erlebnis: Die Lauffläche ist meist ganz ohne Profil. „So glatt – der muss doch in der ersten Kurve wegschmieren.“ ist oft der erste Gedanke. Der zweite: „Und was ist mit Aquaplaninig?“ Unsere Vorstellung von Sicherheit auf der Straße ist vom Autoreifen bestimmt. Der wirkt aber ganz anders mit dem Asphalt zusammen als der Fahrradreifen. Beim Auto wie beim Fahrrad geht es um die Reibung des Reifens auf dem Asphalt. Je mehr Reibung, desto sicherer läuft das Fahrzeug in der Spur. Aber schauen wir auf die wichtigsten Unterschiede:

– Ein Autoreifen ist heute mindestens 150 Millimeter breit – Sportwagen-Pneus können schon mal doppelt so breit sein –, ein Vielfaches dicker als ein Fahrradreifen, der hat um die 20 (Rennrad) bis 60 Millimeter (MTB).

– Für leichten Lauf braucht der Fahrradreifen aufgrund seiner geringen Breite viel mehr Druck als der großvolumige Autoreifen. Beim Pkw haben wir nur zwei bis 2,5 Bar Druck. Nur breite MTB-Reifen können da mithalten. Schmale Rennradreifen laufen erst bei etwa 8 Bar leicht und sicher. In der Mitte liegt der normale Trekkingreifen. Er sollte mit drei bis 4,5 Bar aufgepumpt werden.

– Das zweispurige Fahrrad neigt sich in die Kurve, daher ist die Reifen-Lauffläche rund, nicht eben. Die Pneus des Autos haben dagegen eine ebene Lauffläche, schließlich bleiben auch in der Kurve alle vier Räder plan am Boden – oder sollten das zumindest.

Aquaplaning entsteht durch zu wenig Druck auf dem Boden

Mit diesen Unterschieden lässt sich einiges erklären. Die Gummimischung der Reifen-Lauffläche sorgt für die Reibung mit dem Asphalt. Manche Reifen „kleben“ sprichwörtlich auf der Straße, wenn sie ausreichend Druck haben. Doch beim Auto ergibt sich ein Problem: Das Gewicht des Autos verteilt sich auf vier Reifen und dabei jeweils auf die breite Aufstandsfläche, die ein Autoreifen eben braucht. Daher ist der Druck pro Quadratzentimeter auf dem Asphalt relativ gering. Wären Autoreifen profillos, würden sie schon ab einer sehr niedrigen Geschwindigkeit Regenwasser auf der Straße so schlecht verdrängen, dass zwischen dem Pneu und dem Asphalt ein Wasserfilm bliebe. Bei gleichem Gewicht kann ein breiter Reifen viel weniger Wasser verdrängen als ein schmaler. So entsteht das gefürchtete Aquaplaning. Das Auto „schwimmt“ auf dem Wasserfilm und wird unkontrollierbar.

Um das zu verhindern, brauchen Autoreifen Profil. Es nimmt einen Teil des Wassers auf, sodass der Kontakt mit der Straße erhalten bleibt. Das Profil sorgt auch dafür, dass die Aufstandsfläche kleiner wird – also gibt es mehr Druck. Dies bedeutet mehr Reibung und Sicherheit.

Beim Fahrrad haben wir nur zwei oder drei Reifen, auf denen sich das Gewicht verteilt. Vor allem ist die Reifenfläche auf der Straße um ein Vielfaches geringer. So drücken die Fahrradreifen deutlich stärker auf den Asphalt. Um sich in Aquaplaning-Gefahr zu begeben, müsste ein Radler reich rechnerisch ca. 120 km/h fahren. Das heißt, dass Reifenprofil am Fahrrad ist auf sauberer Straße, egal ob nass oder trocken, praktisch überflüssig.

 

 Reifenprofil bringt Haftung

Fahrradreifen

Fahrradreifen sind die Verbindung zwischen Fahrrad und Straße

Anders sieht es aus, wenn man auf einer sehr stark verschmutzten Straße oder abseits von Asphalt unterwegs ist. Hier krallen sich Noppen oder Stollen im Untergrund fest und verhindern das Durchrutschen. Je stärker profiliert ein Reifen ist, desto mehr Widerstand setzt er aber auch dem Asphalt entgegen. Das bedeutet, höherer Aufwand für die selbe Geschwindigkeit. Beiprofilierten Straßenreifen ist der Unterschied zum glatten Slick noch fast zu vernachlässigen. Stollenbewehrte Mountainbike-Reifen rollen aber spürbar schwerer als Rennrad-Reifen. Für Trekking-Reifen, die gelegentlich auf Feldwegen und Ähnlichem gefahren werden, gehen die Unternehmen einen Kompromiss ein. Sie verwenden ein eher feines, flächiges Reifenprofil. Dieses bietet sowohl Halt auf der Straße, als auch im losen Untergrund.

Gummimischung ist wichtiger als das Muster

Auf das Muster des Profils kommt es aber auf der Straße gar nicht an. Fahrradreifen mit Zickzack-Lauffläche sind nicht sicherer als solche mit kleinen Wellen. Dass das Reifenprofil des einen Herstellers anders aussieht als das des anderen ist eher eine Image- und Formfrage. Das x-te Profil des neu aufgelegten Allrounders für Tour und City ist so gut wie das erste. Entscheidend für die Straßenhaftung ist die Rezeptur der Gummimischung, und daran arbeiten die großen Reifenhersteller wie Schwalbe, Continental oder Michelin beständig – und lassen sich dabei übrigens sehr ungern in die Kochtöpfe gucken.

Übrigens: Welche Reifen auf unseren Hase Bikes stecken, könnt ihr euch im Konfigurator anschauen.

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