Tipps & Tricks

Die besten Fahrradfilme für lange Herbst- und Winterabende

8. November 2017

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Fahrradfilme

Wir stellen im ersten Kultur-Teil dieses Herbstes unsere Highlights der Fahrradfilme vor. Und das sind gar nicht so wenige. Grundsätzlich gibt’s auch hier Animationen, Dokus und Spielfilme. Alle haben eine Gemeinsamkeit: Das Fahrrad spielt die Hauptrolle und langweilig sind sie alle nicht.

Wer also in der dunklen Jahreszeit das Fahrrad in den Keller stellt, lieber entspannt auf dem Sofa sitzt und Kultur genießt, muss nicht auf das Thema Radfahren verzichten. Schließlich gibt’s auch Fahrrad-Kultur. Hier kommen unsere liebsten Fahrradfilme.

Das große Rennen von Belleville – Animationsfilm der Extraklasse

Das große Rennen von Belleville“ ist ein wohl einzigartig gestalteter Animationsfilm. Bis ins kleinste Detail liebevoll gezeichnet, erzählt er die Geschichte einer Frau, die mit ihrem Enkel an einer Eisenbahnstrecke irgendwo in der französischen Provinz lebt. Der Junge wird, von Oma gefördert und gefordert, zum fanatischen Rennradfahrer. Sein Ziel: an der Tour de France teilzunehmen. Das gelingt ihm schließlich mit Oma als privatem Coach. Doch mafiöse Gestalten entführen den im Rennen Zurückgefallenen in die groteske Stadt Belleville. Sie wollen ihn und zwei Mitstreiter in einem Spiel um Leben und Tod für ein Publikum aus der Halbwelt gegeneinander antreten lassen. Doch Großmutter ist mit drei singenden und tanzenden Energiebündeln den Verbrechern auf den Fersen.

So viel faszinierende Fantasie in der Darstellung gibt es selten im Film. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meinte 2004, nicht „Findet Nemo“, sondern „Das große Rennen von Belleville“ hätte den Oscar bekommen sollen. Nachvollziehbar,  immerhin bekam er diverse Kritikerpreise und einen Preis für die beste Filmmusik 2004. Frankreich 2003, Regie: Sylvain Chomet.

What a Trip – Mehr als die Dokumentation einer Fahrradreise

Prämiert mit dem Bayerischen Nachwuchsfilmpreis ist der Dokumentarfilm „What a Trip – mit 15 km/h bis ans Ende der Welt“. Darin radelt Maximilian Semsch allein 13.500 Kilometer von München nach Singapur. Das Schöne an diesem Film: Er zeigt neben den grandiosen Erlebnissen auch unverhohlen die Schwierigkeiten auf einer so langen Reise. Zum Beispiel die immer wiederkehrende Einsamkeit auf der Straße und im Zelt. Dass es dem jungen Regisseur um mehr ging, als einen Fahrradreise zu dokumentieren, zeigen die oft sehr ästhetischen Bilder und die bewusst eingesetzten filmischen und erzählerischen Mittel. Deutschland 2009, Regie: Maximilian Semsch.

Höllentour – Vom Heldentum der schnellen Männer

Um einen ganz speziellen Trip geht es auch im Film „Höllentour“. Er begleitet 2003 die beiden Radprofis Erik Zabel und Rolf Aldag bei der Tour de France. Auf der Strecke, im Mannschaftsbus, bei Gesprächen mit dem vertrauten Masseur. Die Kamera ist immer dabei. Der Film zeigt, wie die Fahrer leiden, was sie beschäftigt; was ist Tagesgespräch in den Teams, wie geht man miteinander um, wenn es stressig wird. Regisseur Pepe Danquart schaut nicht weg, wenn es schmerzt und so kommen auch die Schwächen der einzelnen Fahrer zum Vorschein. Trotzdem erzählt der Film recht einseitig vom Heldentum der schnellen Männer. Das passt nicht gut zum Doping-Skandal, der 2006 auch das Team Telekom ereilt. Wohl auch deshalb hat sich Regisseur Danquart von seinem Film distanziert. Sehenswert ist er – gerade mit Blick auf die jüngste Geschichte des Radsports – auf jeden Fall. Deutschland 2004, Regie: Pepe Danquart.

Die BMX-Bande – 80er-Jahre-Aufbruchs-Ästhetik

„BMX Bandits“ oder zu Deutsch „Die BMX-Bande“. Ein eher trashiger Film mit der jungen Nicole Kidman als Teil einer Jugend-Gang, die nur eins will: eine BMX-Strecke in ihrer Heimatstadt. Stattdessen gerät sie in eine Zwickmühle. Gangster sind ihr auf den Fersen, weil die Jungs und Mädels Funkgeräte haben, die die Bankräuber der Polizei geklaut haben. Letztere sucht die BMX-ler auch, weil sie die Jungs hinter dem Diebstahl vermutet. Die hanebüchene Story ist natürlich nur ein Hintergrund für die Kunststücke der Zweiradakrobaten. Allerdings dürften BMX-Kenner und -Könner über die Stunts heute nur schmunzeln. Der Charme des Films liegt in seiner 80er-Jahre-Aufbruchs-Ästhetik, gemischt mit slapstickartigen Komponenten. Für Nicole Kidman war es einer der der ersten Filme ihrer Karriere. Australien 1983, Regie: Brian Trenchard-Smith.

Fahrraddiebe – Die Wichtigkeit des Fahrrads in der Nachkriegszeit

Wie wichtig das Bike in der Nachkriegszeit für den Lebenserhalt war, spiegelt der Film „Fahrraddiebe“ des italienischen Regisseurs Vittorio de Sica von 1948. Unabhängig von seinem Fahrradthema wird dieser neorealistische Film als einer der wichtigsten europäischen Filme seiner Zeit gehandelt. Der Römer Antonio bringt die Bettwäsche seiner Familie zur Pfandleihe, um sein vor Kurzem versetztes Fahrrad wieder einzulösen. Er braucht es für seinen Job als Plakatkleber. Mit ihm versucht er, seine Familie zu ernähren. Leider wird das Fahrrad gestohlen und er sieht schließlich keine andere Möglichkeit, als selbst eines zu stehlen, um die Anstellung zu behalten. Sein Sohn wird Zeuge davon, dass der Diebstahl misslingt. Mitgespielt hat hier der spätere Meisterregisseur Sergio Leone. Italien 1948, Regie: Vittorio de Sica.

Bikes vs. Cars – Über die Verkehrszustände in westlichen Großstädten

Von Kopenhagen über São Paulo bis Los Angeles. „Bikes vs. Cars“ ist ein sehr aufwendig gemachter Dokumentarfilm über die Verkehrszustände in den westlichen Großstädten. Er zeigt unter anderem in Interviews interessante Hintergründe für die Vorherrschaft des Autos in westlichen Ländern auf. Zum Beispiel wird erklärt, wie Mineralölkonzerne in nordamerikanischen Großstädten dazu beigetragen haben, die Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr zu demontieren, um den Auto-Individualverkehr zu stärken. Und er zeigt über den Globus verteilte Menschen, die sich für ein Umdenken einsetzen, und wie sie das machen. Schweden 2015, Regie: Fredrik Gertten.

Premium Rush – Viel Adrenalin und Testosteron

Wie in einem klassischen Action-Thriller geht es bei „Premium Rush“ zu. Der Spielfilm handelt von einen Bike Messenger in New York, der in Schwierigkeiten gerät. Neben den Problemen, die das Alltagsleben auf den Straßen mit sich bringt, bekommt er auch noch Stress mit Freundin, Gangstern und der Polizei. Die Story ist insgesamt schlicht und die filmischen Erzählmittel dürften bei den Kritikern keine Begeisterungsstürme hervorgerufen haben. Dennoch ist die Schmonzette aufwendig und mit relativ viel Budget produziert. Der Stuntman der Hauptfigur ist niemand geringerer als Danny MacAscill, der auch als bester Bike-Trail-Profi der Welt gehandelt wurde. Hier geht’s um Speed, Dramatik, Verfolgungsjagden in Downtown Manhattan, und natürlich, um große Gefühle. Fahrradfilme, in denen so viel Adrenalin und Testosteron zu sehen sind, sind selten. USA 2012, Regie: David Koepp, Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt.

Noch mehr Fahrradfilme

Wer jetzt richtig Lust auf noch mehr Fahrradfilme bekommen hat: Es gibt das Internationale Fahrrad-Film-Festival, das mittlerweile in mehreren Städten stattfindet.

Gute Unterhaltung!

Foto (oben): Fotolia/compuinfoto

Weitere Tipps & Tricks rund ums Fahrrad findet ihr hier.

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