Verkehr & Mobilität

Fahrrad-Monitor 2015: Beim Radverkehr bleibt Luft nach oben

22. Februar 2016

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Radfahrer im Stau

Der aktuelle Fahrrad-Monitor 2015 zeichnet ein schwaches Bild in Sachen Radverkehr. Die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums durchgeführte Umfrage zeigt: Der Anteil der Radfahrer stagniert bei 10 Prozent. Die 2.000 Befragten wünschen sich vor allen Dingen: Mehr Radwege, sichere Abstellanlagen und komfortabel zu befahrende Radrouten. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC richtet in seiner Pressemeldung vom 10. Februar entsprechende Kritik an das Bundesverkehrsministerium. Wir können das nachvollziehen.

Aber der Reihe nach: Alle zwei Jahre überprüft das Ministerium, wie nahe man den selbst gesetzten Zielen in Sachen Nationaler Radverkehr gekommen ist. Die Ziele sind dabei nicht besonders hoch. Eines lautet: Der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehr soll bis 2020 auf 15 Prozent steigen.

Die Beliebtheit des Fahrrads sinkt

Die letzten Jahre lag der Anteil der Radler in Deutschland bei etwa 10 Prozent. In den Niederlanden und Dänemark ist er dreimal so hoch, Dänemark will sogar bald einen Anteil von 50 Prozent erreichen. Da ist also bei uns noch Luft nach oben. Und beim derzeitigen Fahrrad-Stimmungshoch sollten 15 Prozent in fünf Jahren doch nicht so schwer zu erreichen sein, oder? Leider ist die Beliebtheit des Fahrrads im Fahrrad-Monitor 2015 von „gut“ auf „befriedigend“ gefallen.

Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich laut Fahrrad-Monitor 2015 „nicht sicher“

Fahrrad-Monitor 2015: Viele Radler fühlen sich nicht sicher im Straßenverkehr. Foto: Fotolia/Kara

Viele Radler fühlen sich nicht sicher im Straßenverkehr. Foto: Fotolia/Kara

Dabei liegt es nicht am Fahrrad oder an der Faulheit der Menschen, wenn bei dieser Studie ein schlechterer Wert als 2011 herauskommt, glaubt Burckhardt Storck, Geschäftsführer des ADFC. „Es liegt an den widrigen Verhältnissen, mit denen sich die Radfahrer in den meisten Städten herumschlagen müssen.“

Zum Beispiel gaben bei der Umfrage fast die Hälfte aller Teilnehmer an, dass sie sich beim Radfahren „nicht sicher fühlen“, dass es „zu wenig Radwege“ und „zu viel Verkehr“ gebe. Der ADFCler Storck meint: „Es ist zum Verzweifeln. (…). Solange Minister Dobrindt unter Verkehrspolitik ausschließlich Auto-Politik versteht, wird sich kein Bürgermeister und keine Bürgermeisterin trauen, die Schwerpunkte anders zu setzen und der aktiven Mobilität den Vorrang zu geben.“

Wir meinen: Da ist was dran! Aber wir meinen auch: Niemand kann wirklich erwarten, dass die Regierung eines Landes, das voll und ganz dem Auto verschrieben ist, seine Autofahrer vor den Kopf stößt und sich plötzlich so stark, wie es sinnvoll wäre, um den Radverkehr kümmert. Autofahrer sind Wähler, und die Autolobby ist riesig. Das ist sehr schade, aber das ist so.

Die Freude am Radfahren steckt andere an

PINO im Stadtverkehr

Das PINO im Stadtverkehr.

Aber es gibt trotzdem einen Weg zu weniger Autofahrern, mehr Bikern und letztendlich auch besserer Rad-Infrastruktur: die Sogwirkung, die Radfahren mit sich bringt. Besonders, wenn wir es mit Bikes und Trikes tun, die viel Freude machen. Räder, die Aufmerksamkeit erregen, sind der erste Schritt. Der Spaß, den wir mit ihnen haben, der zweite. Spaß steckt an.

Kaum jemand steigt aufs Fahrrad – und noch weniger bleibt er drauf –, weil Radfahren gesund ist oder gut für die Umwelt. Das Einzige, was wirklich zählt, ist die Verführung zum eigenen Erleben. Wenn du merkst, dass du viel besser und praktischer in der Stadt unterwegs bist als mit dem Auto. Wenn du erfährst, dass der Arbeitsweg viel mehr Spaß macht und du entspannter ankommst, dich viel wohler fühlst. Das zählt. Und das strahlen wir auf unseren Bikes und Trikes jedes Mal aus. Das verführt die anderen. Das ergibt mehr Radfahrer, weniger Autos. Und noch mehr Freude am Radfahren. Dazu kommt, dass man mit dem Auto in den Innenstädten immer langsamer vorwärtskommt, teure Parkplätze benötigt und oft gestresst sein Ziel erreicht.

Und wenn Radler mehr und Autos weniger werden, sieht das mit der nötigen Infrastruktur auch bald anders aus. Das ist bestimmt nicht der schnellste Weg. Aber vielleicht doch der direkteste. Und Spaß macht er außerdem. Der Frühling ist auch nicht mehr weit – aufsitzen!

Teaserfoto (oben) & Foto im Text: Fotolia/Kara

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