Verkehr & Mobilität

Bund fordert Abbiegeassistenten für Lkw

13. Februar 2018

0 Kommentare

Immer wieder verunglücken Radfahrer, weil sie von rechtsabbiegenden Lkw übersehen werden. Abbiegeassistenten für Lkw könnte dies zukünftig verhindern. In Berlin ereigneten sich erst letzte Woche zwei tödliche Unfälle. Deshalb will sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für den verpflichtenden Einbau dieser Abbiegeassistenten einsetzen.

Technik vorhanden, aber kaum genutzt

Mit dem Abbiegeassistenten können Lkw-Fahrer Fußgänger und Radfahrer besser erkennen. Quelle: ADFC, Claudia Thaler

Mit dem Abbiegeassistenten können Lkw-Fahrer Fußgänger und Radfahrer besser erkennen. Quelle: ADFC, Claudia Thaler

Das Problem: Die Sicht aus der Fahrerkabine des Lkw ist stark eingeschränkt. Insbesondere beim Rechtsabbiegen werden Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel schnell übersehen – mit oft schwerwiegenden Folgen. Die Abbiegeassistenten überwachen mithilfe von Sensoren den toten Winkel, „sehen“ also dorthin, wo der Lkw-Fahrer mit seinen Spiegeln nicht hinschauen kann. Falls sich jemand dort aufhält, senden sie ein Warnsignal oder könnten sogar die Anfahrt an der Kreuzung blockieren. Wohlgemerkt: Das ist keine Zukunftsmusik.  Bei einem Hersteller der Lkw-Oberklasse ist ein ähnliches Gerät bereits im Zubehörprogramm. Diese Technik kann Unfälle durch Übersehen beim Rechtsabbiegen verhindern. Doch sie wird nicht eingesetzt: Es gibt keine Verpflichtung dazu, und deshalb sparen sich Lkw-Betreiber die Kosten lieber, so lange sie nicht müssen.

Bund fordert verpflichtenden Einbau vom Abbiegeassistenten

Der Fahrradclub ADFC zählte zwischen 2008 und 2014 allein in Berlin 22 tödliche Abbiegeunfälle zwischen Fahrrad und Lkw. Erst letzte Woche ereigneten sich ebenfalls in Berlin gleich mehrere tödliche Fahrradunfälle auf diese Art und Weise. Hat das vielleicht doch jemanden wachgerüttelt? Jedenfalls meldet nun unter anderem das Online-Magazin „Der Westen“ ein Statement des geschäftsführenden Bundesverkehrsminister Christian Schmidt: „Wir setzen uns auf internationaler Ebene für den verpflichtenden Einbau von Abbiegeassistenzsystemen ein, um die schwächeren Verkehrsteilnehmer, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, besser zu schützen“, sagte er. Auch der ADFC fordert, dass die sich ständig weiterentwickelnde Fahrzeugtechnik nicht nur der Sicherheit der Fahrzeugführer, sondern auch ungeschützten Verkehrsteilnehmern zugute kommt.

Geringere Versicherungsprämie als alternativer Anreiz

Ob der verpflichtende Einbau denn nun tatsächlich in europäischen Bestimmungen verankert wird? Jedenfalls soll der Assistent laut der Unfallforschung der Versicherungsunternehmer das „zuverlässigste Mittel“ sein, um die klassischen Rechtsabbiege-Unfälle zu verhindern. Dann sind wir jetzt mal gespannt, wann der lebensschützende Assistent kommt. Vielleicht könnte man ja in Deutschland zumindest schon einmal Anreize dazu schaffen – z.B. in Form von geringeren Versicherungsprämien für Fahrzeuge mit Abbiegeassistenzsystemen. Vorbildfunktion hat ja noch niemandem geschadet und regt bekanntlich Nachahmung an.

 

Foto (oben): ADFC/ Jens Lehmkühler

Diese Beiträge könnten Ihnen auch gefallen

Keine Kommentare

Antworten

*