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Radfahren und Musik hören – was ist in der Praxis erlaubt?

22. März 2017

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Musik hören auf dem Fahrrad

Radfahren und Musik dabei hören – darf ich das? Wir sind der Frage nachgegangen, denn auf den ersten Blick scheint jeder zweite Biker beim Radfahren seinen bevorzugten Beats zu lauschen. Dabei sind Kopfhörer, ob kleine Stöpsel oder mit großen Bügeln, heute beliebter denn je. Aber ist das überhaupt erlaubt? Und kann man dafür bestraft werden? Und wieso eigentlich sollte Musik hören beim Radfahren nicht in Ordnung sein? Wir klären auf.

Entscheidend ist die Lautstärke

Eines vorweg: Man darf, doch es gibt Einschränkungen. Die deutsche Straßenverkehrsordnung (StVO) sagt nichts Gegenteiliges im entsprechenden Abschnitt § 23 Abs. 1 StVO. Es gibt da nur ein großes ABER, erklärt der Verkehrsexperte des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub), Ronald Huhn. In der Mitgliederzeitschrift „Radwelt“ schreibt er: „Entscheidend dabei ist die Lautstärke!“

Radfahren und Musik hören - dank Ohrhörern kein Problem.

Ob Ohrstöpsel oder große Kopfhörer – es kommt auf die Wahrnehmung an. Foto: Edho Pratama/StockSnap

Der Radfahrer – wie übrigens jeder Verkehrsteilnehmer – muss laut StVO dafür sorgen, dass Sicht und Gehör nicht beeinträchtigt werden. Und das ist eine deutliche Einschränkung. Denn der Biker oder Triker muss selbst dafür sorgen, dass er alles, was für ihn im Verkehr von Relevanz sein könnte, wahrnimmt. Sei es ein Zuruf, ein Klingeln, Hupen oder auch das Martinshorn der Polizei. Das schränkt die Zulässigkeit von Kopfhörern oder auch Telefonstöpsel dann doch wieder ein.

Beispiel aus der Praxis: Keine Reaktion auf Zurufe oder Klingeln

Diese Situationen kennen viele Radfahrer: Vor einem rollt jemand allzu gemächlich in der Mitte des Radwegs. Man will überholen, doch der andere reagiert weder auf Klingeln noch auf Zurufen. Klappt es dann doch irgendwann, stellt man beim Vorbeifahren fest, dass der Kollege Ohrhörer trägt und zu laut Musik hört.

Auch leises Musikhören kann die Wahrnehmung einschränken

In der Praxis bedeutet aber auch leises Musikhören, dass die akustische Wahrnehmung des Verkehrsumfelds eingeschränkt sein kann. Musik, vor allem solche, die wir mögen, hat nun einmal das starke Potential, uns abzulenken.

Das Institut für Arbeit und Gesundheit hat schon 2013 untersucht, wie Musik unser Verhalten verändert: Beim Thema Radfahren und Musik hören konnte die Studie eine Verlängerung der Reaktionszeit von über 50 Prozent bei lauter Musik nachweisen.

Radfahren und Musik hören - ist das erlaubt?

Kurz anzuhalten könnte helfen, ein Bußgeld zu vermeiden. Foto: J.M. Kuznietsov/StockSnap

Rechtliche Folgen

Grundsätzlich kann die Polizei bei einer Kontrolle oder Stichprobe ein Bußgeld verhängen, wenn das Gehör „beeinträchtigt“ ist. Was im Ernstfall natürlich schwierig nachzuweisen sein dürfte, doch wer will es schon darauf ankommen lassen? Hört man daneben stehend die Musik aus dem Kopfhörer des anderen, kann man allerdings von einer Beeinträchtigung ausgehen. Jedenfalls sind in diesem Falle zehn Euro fällig, sofern niemand behindert oder gefährdet wurde; bei Gefährdung anderer sind 15 Euro weg.

Bei einem Unfall wird das Tragen von Kopfhörern meist negativ ausgelegt

Das ist aber nur eines der Probleme, die man sich einhandeln kann, wenn man Radfahren und Musik hören kombiniert. Das zweite: Ist man in einem Unfall verwickelt, wird das Tragen eines Kopfhörers meist negativ ausgelegt. Heißt: Eine Mithaftung ist dann fast automatisch gegeben, auch wenn man ansonsten als unschuldig am Unfallhergang eingestuft würde. Das kann bedeuten, dass man zumindest auf einen Teil des Schadenersatzes verzichten muss. Wenn nachgewiesen werden kann, dass man eindeutig zu laute Musik gehört hat, kann der Schadenersatzanspruch auch ganz wegfallen, ebenso der Anspruch auf Schmerzensgeld.

Ist Radfahren und Musik hören wirklich gefährlich?

Radfahren und Musik hören - Vorsicht ist angebracht!

Die Sicherheit sollte an erster Stelle stehen, auch beim Telefonieren. Foto: Clem Onojeghuo/StockSnap

Doch Geld ist lange nicht so wichtig wie Gesundheit: Das größte Problem ist, dass mit der Lautstärke auch die Gefahr wächst, unaufmerksam und dadurch in einen Unfall verwickelt zu werden – oder gar einen zu verursachen. Aber ist die Gefahr wirklich so groß? Wir fragten Leute, die berufsmäßig in der City Fahrrad fahren: Fahrradkuriere. Die Antwort lautete fast immer: „Musik hören beim Radfahren? Natürlich nicht – das ist viel zu gefährlich!“

Telefonieren ist nur mit Headset erlaubt

Telefonieren ist beim Radfahren übrigens nur mit geeignetem Headset erlaubt – wer sein Handy ans Ohr hält und dabei erwischt wird, muss derzeit 25 Euro bezahlen. Wie gefährlich das Telefonat mit einer Hand tatsächlich ist, lässt sich oft an Kreuzungen beobachten: Beim Rechtsabbiegen „vergessen“ Autofahrer mit Handy am Ohr häufig den Schulterblick.

Ganz gleich, ob wir mit Auto oder Rad unterwegs sind: Alles, was vom Verkehr ablenkt, ist nicht gut für die Sicherheit. Unsere und die der anderen. Das sollten wir im Kopf haben, wenn wir auf die Straße gehen. Wer auf Musik auf dem Rad nicht verzichten will, der sollte einfach einmal beim Radfahren testen: Was bekomme ich mit Musik von meiner Umwelt mit und was nicht?

Ohne Musik kommuniziert man definitiv besser. Und der Kontakt zu anderen ist doch auch etwas, was das Radfahren ausmacht, oder?

Foto (oben): Tim Gouw/StockSnap

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