Fahrradfahrer 2017: Was wir uns für das neue Jahr wünschen

Bei Übernachtungsmöglichkeiten für Radfahrer sollte Fahrradfreundlichkeit dabei sein.

Neujahrswünsche mal ernst genommen. Was erwarten Fahrradfahrer vom neuen Jahr, wenn sie einen Verkehrs-Wunsch frei hätten? Im Alltagsverkehr geht es sicher immer noch besser. Man kann darüber ins Träumen kommen, was alles möglich sein könnte. Zum Beispiel flüssigeres Vorankommen im Stadtverkehr.

Fahrradfahrer dürfen hier rechts abbiegen.

Rechts abbiegen, obwohl die Ampel grün ist. Bei uns ein seltenes Bild. Foto: Fotolia/Björn Wylezich

Ohne schlechtes Gewissen über die rote Ampel! Wenn es nach dem Grünen-Politiker Dieter Janecek geht, sollten wir das in Zukunft dürfen. Das betonte er schon 2016. Bei Rot fahren – zumindest beim Rechtsabbiegen.

Wer vorsichtig über die Fußgängerfurt rollt und dann beim Einordnen in den fließenden Verkehr vorsichtig ist, kommt nicht nur schneller voran, er sorgt für mehr Geschmeidigkeit im Verkehr. Leider ist der obligatorische grüne Pfeil für Fahrradfahrer noch nicht Wirklichkeit. In vielen Städten wären Fahrradfahrer schon froh über Ampelsysteme, die nicht automatisch rote Welle anzeigen, wenn man mit Fahrradgeschwindigkeit unterwegs ist.

 

Zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr ist die Rheinische Bahn als Herzstück des RS1 bereits eröffnet und wird gerne genutzt.

Zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr ist die Rheinische Bahn als Herzstück des RS1 bereits eröffnet und wird gerne genutzt. Foto: RVR/ Tom Schulte

Fertigstellung der Radschnellwege

Aber es muss ja nicht gleich das „heilige“ Rotlicht sein, das zur Debatte steht. Wie wäre es mit der Fertigstellung der Radschnellwege? Allen voran des RS1, der von Duisburg nach Hamm führen soll. Bislang gibt es lediglich ein etwa zehn Kilometer langes Teilstück in Mülheim an der Ruhr beziehungsweise Essen.

Die Vorteile des Radschnellweg-Konzepts liegen auf der Hand. Wirklich ausreichend breit für den Betrieb in zwei Richtungen, möglichst wenige Kreuzungen, ebener Untergrund. Zudem werden für Arbeits- und Alltagspendler strategisch wichtige Punkte verbunden.

Leider ist das Projekt in den letzten Jahren ins Stocken gekommen.  Zeit und vor allem Geld werden dann doch im Zweifelsfall für andere Dinge ausgegeben. 2020, so der ursprüngliche Plan, sollte der RS1 fertig sein. Unser Wunsch für 2017: Jetzt mal Tempo!

Investitionen in die Fahrradinfrastruktur

Die Radschnellwege sollen laut ADFC etwa 180 Millionen Euro kosten. Aber auch in die sonstige Fahrradinfrastruktur sollte jetzt mehr investiert werden, schon aus Gründen der Sicherheit. Zwischen 2001 und 2015 wurden etwa 15 Milliarden Euro aufgewendet, um neue Autobahnen zu bauen. Die Instandhaltung vorhandener Autobahnen oder Straßen und der Neubau von anderen Straßen sind damit noch gar nicht berücksichtigt. Das heißt: Pro Jahr wurde im Schnitt nur dafür eine Milliarde Euro ausgegeben. Für 2017 sollen, der WAZ zufolge, erstmals etwa 98 Millionen für den Neubau und die Erhaltung von Radwegen zur Verfügung stehen, also ein Zehntel.

Fahrradfahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer

Da wünschen wir uns als Ausgleich für nicht vorhandene oder schlechte Fahrradwege doch zumindest mehr Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer. Vor allem das so lapidar genannte „Übersehen“ von Radfahrern beim Rechtsabbiegen führt häufig zu schlimmen Unfällen. Wo heute alles mit elektronischer Hilfe gemanagt wird, kann man da nicht auch das Rechtsabbiegen mithilfe von Sensoren und anderen technischen Hilfsmitteln sicherer machen. Zum Beispiel indem sie warnen, wenn sich im toten Winkel ein Fußgänger oder Fahrradfahrer aufhält. Natürlich kann man, aber bislang sind sie leider nicht verpflichtend. Das bedeutet, dass nur wenige Lkw-Halter  freiwillig in diese Technik investieren. Dabei ist man sogar bei der Bundesanstalt für Straßenwesen BASt überzeugt, dass diese Warnsysteme nötig sind.

Wenn Radwege plötzlich im Nichts enden

Hase Bikes Blogger

Gut angelegter Radweg zum unbeschwerten Radeln.

Einfach als vollwertige Verkehrsteilnehmer angesehen werden – das ist ein Wunsch, der vielleicht alle anderen beinhaltet. Auch das fängt bei der Planung schon an. Wenn Radwege plötzlich im Nichts enden und der Biker oder Triker sich unvermittelt im fließenden Autoverkehr wiederfindet. Oder wenn der Radweg die Straße kreuzt und man plötzlich auf der linken Seite der Autos radelt. Dann liegt der Zweifel nah, ob der Planer wirklich ein Profi war, jemand, der selbst Ahnung vom Radfahreralltag hat. „Lasst die Leute ran, die selbst Rad fahren“, wäre demnach ein Wunsch, dessen Erfüllung sicher weiterhelfen würde.

Aber so, wie Radfahren und E-Biken derzeit boomt, könnte er tatsächlich bald in Erfüllung gehen.

Nachtrag nach Redaktionsschluss: Noch Ende des Jahres 2016 wurde verkündet, dass in Baden-Württemberg bis 2025 zehn Radschnellwege entstehen sollen. Geht doch.

Foto (oben): fotolia/ © K.C.

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